September 1914


Nr. 26 vom 1. September 1914
Nr. 26 vom 1. September 1914

WTB. (Amtlich.) Großes Hauptquartier, 31. August 1914. Die Armee des Generalobersten v. Kluck hat einen durch schwache französische Kräfte unternommenen Versuch eines Flankenangriffs in der Gegend von Combles durch ein Armeekorps zurückgeschlagen.

Die Armee des Generalobersten v. Bülow hat eine überlegene französische Armee bei St. Quentin vollständig geschlagen, nachdem sie im Vormarsch bereits ein englisches Infanterie-Bataillon gefangen genommen hatte.

Kartenausschnitt der Militärkarte von 1914, Rocroi,Rethel, Mezieres



Die Armee des Generalobersten v. Hausen hat den Gegner auf die Aisne bei Rethel zurückgedrängt.

Die Armee des Herzogs von Württemberg hatte bei Fortsetzung des Übergangs über die Maas den Feind zunächst mit Vortruppen überrannt, musste aber beim Vorgehen stärkerer feindlicher Kräfte teilweise wieder über die Maas zurück. Die Armee hat dann die Maasübergänge wieder gewonnen und befindet sich im Vorgehen gegen die Aisne. Das Fort Les Ayvelles hinter dieser Armee ist gefallen.

Die Armee des deutschen Kronprinzen setzt den Vormarsch gegen und über die Maas fort. Nachdem der Kommandant von Montmedy mit der ganzen Besatzung der Festung bei einem Ausfall gefangen genommen worden war, ist die Festung gefallen.

Die Armeen des Kronprinzen von Bayern und des Generalobersten von Heeringen stehen noch in fortgesetztem Kampf in Französisch-Lothringen.

Im Osten ist der gemeldete Sieg der Armee des Generalobersten v. Hindenburg von weitaus größerer Bedeutung als zuerst übersehen werden konnte. Trotzdem neue feindliche Kräfte über Neidenburg eingriffen, ist die Niederlage des Feindes eine vollständige geworden.

Drei Armeekorps sind vernichtet, 60.000 Gefangene, darunter zwei kommandierende Generäle, viele Geschütze und Feldzeichen sind in unsere Hände gefallen. Die noch im nördlichen Ostpreußen stehenden russischen Truppen haben den Rückzug angetreten.

Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 28 vom 2. September 1914

HB. Konstantinopel, 2. September 1914. Auf Befehl des Sultans ist die allgemeine

Mobilmachung von Heer und Flotte in der Türkei befohlen worden.

Wien, 2. September1914 . Laut einer Meldung aus Kielce stürzte ein vollbesetzter russischer Militärzug beim Passieren der vor der Festung Iwangorod über die Weichsel führenden Brücke durch Brückeneinsturz in die Weichsel. 1.000 Mann und mehrere Offiziere ertranken, mehrere Maschinengewehre gingen zugrunde. Der die Brücke bewachende Soldat wurde verhaftet, da man an eine böswillige Beschädigung der Brücke glaubt.


Nr. 29 vom 2. September 1914

Sieg zwischen Reims und Verdun.

WTB. Großes Hauptquartier. 2. September 1914. Die mittlere Hauptgruppe der Franzosen (etwa zehn Armeekorps) wurde gestern zwischen Reims und Verdun von unseren Truppen zurückgeworfen. Die Verfolgung wurde heute fortgesetzt. Ein französischer Vorstoß aus Verdun wurde abgewiesen.

S. M. der Kaiser befand sich während des Gefechtes bei der Armee des Kronprinzen und verblieb die Nacht inmitten der Truppen.

Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 30 vom 2. September 1914

Sieg der Österreicher.

WTB. Wien. 2. September 1914, 9 Uhr vorm. Die einwöchige erbitterte Schlacht im Raume Zamocs-Tyszowzce führte gestern zum vollständigen Siege der Armee Auffenberg. Scharen von Gefangenen und bisher 100 Geschütze sind erbeutet. Die Russen befinden sich im Rückzuge über den Bug.

Auch bei der Armee Dankl, die nun Lublin angriff, sind ununterbrochene Erfolge zu verzeichnen.

In Ostgalizien ist Lemberg noch in unserem Besitze gleichwohl ist dort die Lage gegenüber dem starken und überlegenen russischen Vorstoße sehr schwierig.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes Hoefer, Generalmajor.


Nr. 31 vom 4. September 1914

Weitere Erfolge im West und Ost.

WTB. Großes Hauptquartier, 3. September 1914. Bei Wegnahme des hoch in Felsen gelegenen Sperrforts Givet haben sich ebenso wie bei Namur die von Österreich gesandten schweren Motorbatterien durch Beweglichkeit, Treffsicherheit und Wirkung vortrefflich bewährt und uns ausgezeichnete Dienste geleistet.

Sperrbefestigungen Hirson, Ayvelles, Conde, Lafere, Laon ohne Kampf genommen. Damit befinden sich sämtliche Sperrbefestigungen des nördlichen Frankreich außer der Festung Maubeuge in unseren Händen.

Gegen Reims ist Angriff eingeleitet. Die Kavallerie der Armee des Generalobersten v. Kluck streift bis Paris.

Das Westheer überschritt die Aisnelinie und setzt den Vormarsch gegen die Marne fort, und einzelne Vorhuten erreichten sie bereits.

Der Feind befindet sich vor den Armeen des Generalobersten Kluck, Bülow, Hausen, Herzog von Württemberg im Rückzuge auf und hinter die Marne. Vor der Armee des Kronprinzen leistete er im Anschluss an Verdun Widerstand, wurde aber südwärts zurückgeworfen.

Die Armeen des Kronprinzen von Bayern und des Generalobersten v. Heeringen haben immer noch starken Feind in befestigten Stellungen im französischen Lothringen sich gegenüber.

Im oberen Elsass streifen Abteilungen unter gegenseitigen Kämpfen.

Im Osten ernten die Truppen des Generalobersten v. Hindenburg weitere Früchte des Sieges. Die Zahl der Gefangenen wächst täglich, stieg bereits auf 90.000. Wie viel Geschütze und sonstige Siegeszeichen noch in Wäldern und Sümpfen stecken, lässt sich nicht übersehen. Anscheinend sind nicht zwei, sondern drei russische kommandierende Generale gefangen.

Der russische Armeeführer ist nach russischen Nachrichten gefallen.

Generalquartiermeister v. Stein.

 


Nr. 32 vom 4. September 1914

WTB. Aus dem Großen Hauptquartier, 4. September 1914. Reims ist ohne Kampf besetzt worden. Die Siegesbeute der Armeen wird nur langsam bekannt, die Truppen können sich bei ihrem schnellen Vormarsch wenig darum bekümmern. Noch stehen Geschütze und Fahrzeuge im freien Felde verlassen da. Die Etappengruppen müssen sie nach und nach sammeln. Bis jetzt hat nur die Armee des Generalobersten v. Bülow genauere Angaben gemeldet.

Bis Ende August hatte sie 6 Fahnen, 233 schwere Geschütze, 116 Feldgeschütze, 79 Maschinengewehre und 166 Fahrzeuge erbeutet und 12934 Gefangene gemacht.

Im Osten meldet Generaloberst von Hindenburg den Transport von mehr als 90.000 unverwundeten Gefangenen, das bedeutet die Vernichtung einer ganzen feindlichen Armee.

Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 33 vom 6. September 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 6. September 1914. Seine Majestät der Kaiser wohnte gestern den Angriffskämpfen um die Befestigungen von Nancy bei. Von Maubeuge sind 2 Forts und deren Zwischenstellungen gefallen. Das Artilleriefeuer konnte gegen die Stadt gerichtet werden. Es brennt an verschiedenen Stellen. Aus Papieren, die in unsere Hände gefallen sind, geht hervor, dass der Feind durch das Vorgehen der Armeen der Generalobersten v. Kluck und v. Bülow nördlich der belgischen Maas vollständig überrascht worden ist. Noch am 17. August nahm er dort nur deutsche Kavallerie an. Die Kavallerie dieses Flügels unter Führung des Generals v. d. Marwitz hat also die Armeebewegungen vorzüglich verschleiert. Trotzdem würden diese Bewegungen dem Feinde nicht unbekannt geblieben sein, wenn nicht zu Beginn des Aufmarsches und Vormarsches die Feldpostsendungen zurückgehalten wären.

Von Heeresangehörigen und deren Familien ist das als schwere Last empfunden und die Schuld der Feldpost beigemessen worden. Im Interesse der arbeitsfreudigen und pflichtgetreuen Beamten der Feldpost habe ich mich für verpflichtet gehalten, hierüber eine Aufklärung zu geben.

Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 34 vom 9. September 1914

WTB Wien, 9, September 1914. (Amtlich.) Im Raume von Lemberg hat eine neue Schlacht begonnen.

 


Nr. 35 vom 10. September 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 10. September 1914. Die östlich Paris in der Verfolgung um und über die Marne vorgedrungenen Heeresteile sind aus Paris und zwischen Meaux und Montmirail von überlegenen Kräften angegriffen. Sie haben in schweren zweitägigen Kämpfen den Gegner aufgehalten und selbst Fortschritte gemacht. Als der Anmarsch neuer starker feindlicher Kolonnen gemeldet wurde, ist der Flügel zurückgenommen worden. Der Feind folgte an keiner Stelle. Als Siegesbeute dieser Kämpfe sind bisher 50 Geschütze und einige Tausend Gefangene gemeldet.

Die westlich Verdun kämpfenden Heeresteile befinden sich in fortschreitendem Kampf. In Lothringen und in den Vogesen ist die Lage unverändert.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat der Kampf wieder begonnen.

Der Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 37 vom 10. September 1914

WTB. Berlin, 10, September 1914. Seine Königliche Hoheit, Prinz Joachim von Preußen ist gestern durch einen Schrapnellschuss verwundet worden. Die Kugel ging durch den rechten Oberschenkel ohne den Knochen zu verletzen. Der Prinz war als Ordonnanzoffizier auf dem Gefechtsfeld tätig gewesen. Er ist in das nächstliegende Garnisonslazarett Überführt worden.

WTB. L o n b o n , 10. September Die Admiralität gibt bekannt dass der als Hilfskreuzer armierte Dampfer „Oceanic" der White-Star-Line gestern Nachmittag an der Nordküste Schottlands Schiffbruch erlitten habe. Der Dampfer ist vollständig verloren. Alle Offiziere und Mannschaften sind gerettet.




Nr. 38 vom 11. September 1914

Neue Siege im Westen und Osten.

WTB. (Amtlich.) Großes Hauptquartier, 10. September 1914. Der deutsche Kronprinz hat heute mit seiner Armee die befestigte feindliche Stellung südwestlich von Verdun eingenommen. Teile der Armee greifen die südlich von Verdun liegenden Sperrforts an. Die Forts werden seit gestern durch schwere Artillerie beschossen.

General v. Hindenburg hat mit dem deutschen Ostheer den linken Flügel der noch in Ostpreußen befindlichen russischen Armee geschlagen und sich dadurch den Zugang in den Rücken des Feindes geöffnet. Der Feind hat den Kampf aufgegeben und befindet sich in vollem Rückzuge. Das Ostheer verfolgt ihn in nordöstlicher Richtung gegen den Njemen.

Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 39 vom 11. September 1914

W.T.B. Berlin, 11. September 1914. Das 22. russische Armeekorps Finnland hat versucht, über Lyck in den Kampf in Ostpreußen einzugreifen. Es ist bei Lyck geschlagen worden.


Nr. 40 vom 12. September 1914

Unsere Kriegsgefangenen.

WTB. Berlin, 12. September 1914. Bis 12. September waren in Deutschland rund 220.000 Kriegsgefangene untergebracht. darunter sind:

  • Franzosen: 1.680 Offiziere, 86.700 Mann

  • Russen: 1.830 Offiziere, 91.400 Mann

  • Belgier: 440 Offiziere, 30.200 Mann

  • Engländer: 160 Offiziere 7.350 Mann

Unter den Offizieren befinden sich zwei französische Generale, unter den Russen zwei Kommandierende und dreizehn andere Generale, unter den Belgiern der Kommandant von Lüttich.

Eine große Zahl weiterer Kriegsgefangener befindet sich auf dem Transport zu den Gefangenen-Lagern.


Nr. 41 vom 13. September 1914

Sieg im Osten.

WTB. Großes Hauptquartier, 12. September 1914. Die Armee des Generalobersten von Hindenburg hat die russische Armee in Ostpreußen nach mehrtägigem Kampf vollständig geschlagen. Der Rückzug der Russen ist zur Flucht geworden. Generaloberst von Hindenburg hat in der Verfolgung bereits die Grenze überschritten und meldete bisher über zehntausend unverwundete Gefangene. Es sind etwa achtzig Geschütze, außerdem Maschinengewehre, Flugzeuge, Fahrzeuge aller Art erbeutet. Die Kriegsbeute steigert sich fortgesetzt.

Generalquartiermeister v. Stein.


Nr. 42 vom 13. September 1914

Österreichische Erfolge bei Lemberg.

WTB. Wien, 13. September 1914. Amtlich wird bekannt gegeben: In der Schlacht bei Lemberg gelang es unserer an und südlich der Grodeker Chaussee angesetzten Streitkräften, den Feind nach fünftägigem harten Ringen zurückzudrängen, an 10.000 Gefangene zu machen und zahlreiche Geschütze zu erbeuten.

Dieser Erfolg konnte jedoch nicht voll ausgenutzt werden, da unser Nordflügel bei Rawaruska von großer Übermacht bedroht ist und überdies neue russische Kräfte sowohl gegen die Armee Dankl als auch in dem Raume dieser Armee und dem Schlachtfeld von Lemberg vordringen.

Angesichts der sehr bedeutenden Überlegenheit des Feindes war es geboten, unsere schon seit 3 Wochen fast ununterbrochen heldenmütig kämpfende Armee in einem guten Abschnitte zu versammeln und sie für weitere Operationen bereit zu stellen.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes. Hoefer, Generalmajor.


Nr. 43 vom 14. September 1914

Günstige Nachrichten aus Westen und Osten.

WTB. Berlin, 13. September 1914. (Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben Operationen, über die Einzelheiten noch nicht veröffentlicht werden können, zu einer neuen Schlacht geführt, die günstig steht. Vom Feinde mit allen Mitteln verbreitete, für uns ungünstige Nachrichten sind falsch.

In Belgien ist heute ein Ausfall aus Antwerpen, den 3 belgische Divisionen unternahmen, zurück-geworfen worden.

In Ostpreußen ist die Lage hervorragend gut. Die russische Armee flieht in voller Auflösung. Bisher hat sie mindestens 150 Geschütze und 20-30.000 unverwundete Gefangene verloren.


Nr. 44 vom 14. September 1914

Der Kreuzer „Hela" gesunken.

WTB. Berlin, 14. September 1914. (Amtliche Bekanntmachung.) Am 13. September Vormittags wurde S. M. Kleiner Kreuzer "Hela" durch Torpedoschuß eines feindlichen Unterseebootes zum Sinken gebracht. Die gesamte Besatzung ist gerettet.

Der stellvertretende Chef des Admiralstabes.

Behnke.




Nr. 45 vom 15. September 1914

Die Kämpfe im Westen und Osten.

WTB. Großes Hauptquartier, 15. September 1914. Im Westen finden am rechten Heeresflügel schwere, bisher unentschiedene Kämpfe statt. Ein von den Franzosen versuchter Durchbruch ist siegreich zurückgeschlagen. Sonst ist an keiner Stelle eine Entscheidung gefallen.

Im Osten schreitet die Vernichtung der russischen ersten Armee vor. Die eigenen Verluste sind verhältnismäßig gering. Die Armee Hindenburg ist mit starken Kräften bereits jenseits der Grenze. Das Gouvernement Suwalki ist unter deutsche Verwaltung gestellt.

Der Sieg Hindenburgs.

WTB. Großes Hauptquartier, 15. September 1914. General Hindenburg telegraphiert an Seine Majestät: Wilnaer Armee, II., III., IV., XX. Armeekorps, 3. und 4. Reservedivision, 5 Kavalleriedivisionen, sind durch die an die Schlacht an den Masurischen Seen anschließende Verfolgung vollständig geschlagen. Grodnoer Reservearmee, XXII. Armeekorps, Rest des VI. Armeekorps, Teile des III. sibirischen Armeekorps, haben in besonderem Gefechte bei Lyck schwer gelitten. Der Feind hat starke Verluste an Toten, Verwundeten, die Zahl der Gefangenen steigert sich, die Kriegsbeute ist außerordentlich.

Bei einer Frontbreite der Armee von über 100 Kilometer, ungeheuren Marschleistungen von zum Teil 150 Kilometer in 4 Tage, bei auf dieser ganzen Front sich abspielenden Kämpfen kann ich den vollen Umfang noch nicht melden. Einige unserer Verbände sind scharf ins Gefecht gekommen, Verluste aber doch nur gering.

Die Armee war siegreich auf der ganzen Linie gegen den hartnäckig kämpfenden, aber schließlich doch fliehenden Feind.

Die Armee ist stolz darauf, das ein Kaiserlicher Prinz in ihren Reihen gekämpft und geblutet hat.

gez. Hindenburg.

 


Nr. 46 vom 16. September 1914

Der Kampf des Westheeres dehnt sich aus.

WTB. Großes Hauptquartier, 15. September 1914. abends. Der auf dem rechten Flügel des Westheeres seit zwei Tagen stattfindende Kampf dehnte sich heute auf die nach Osten anschließenden Armeen bis Verdun heran aus. An einzelnen Stellen des ausgedehnten Kampffeldes sind bisher Teilerfolge der deutschen Waffen zu verzeichnen. Im übrigen steht die Schlacht noch.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ordnet sich die Armee Hindenburg nach abgeschlossener Verfolgung.

In Oberschlesien verbreitete Gerüchte über drohende Gefahr sind nicht begründet.

Die Serben zurückgeschlagen.

WTB. Wien , 16. September 1914. (Amtlich) Die über die Save eingebrochenen serbischen Kräfte wurden überall zurückgeschlagen. Syrmien und Banat sind daher vom Feinde vollständig frei.

Der stellvertretende Chef des Generalstabes.

Höfer.


Nr. 47 vom 17. September 1914

Die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz.

WTB. (Amtlich.) Großes Hauptquartier, 16. September 1914. abends. Die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist seit gestern unverändert.

An einzelnen Stellen der Schlachtfront sind Angriffe französischer Truppen in der Nacht vom 15. zum 16. und im Laufe des 16. zurückgewiesen. Einzelne Gegenangriffe der Deutschen waren erfolgreich.


Nr. 48 vom 18. September 1914

Die Schlacht zwischen Oise und Maas.

WTB. Großes Hauptquartier, 17. September 1914, abends. In der Schlacht zwischen der Oise und Maas ist die endgültige Entscheidung noch nicht gefallen, aber gewisse Anzeichen deuten darauf hin, dass die Widerstandskraft des Gegners zu erlahmen beginnt. Ein mit großer Bravour unternommener französischer Durchbruchsversuch auf dem äußersten rechten Flügel brach ohne besondere Anstrengung unserer Truppen schließlich in sich selbst zusammen.

Die Mitte der deutschen Armee gewinnt langsam aber sicher an Boden. Auf dem rechten Maasufer versuchte allgemeine Ausfälle aus Verdun wurden mit Leichtigkeit zurückgewiesen.


Nr. 49 vom 18. September 1914

Weitere Erfolge unserer Truppen.

W.T.B. Großes Hauptquartier, 18. September 1914. Zur Ergänzung der Meldung von gestern Abend: Das französische XIII. und IV. Armeekorps und Teile einer weiteren Division sind gestern südlich Noyon entscheidend geschlagen und haben mehrere Batterien verloren. Feindliche Angriffe gegen verschiedene Stellen der Schlachtfront sind blutig zusammengebrochen. Ebenso ist ein Vorgehen französischer Alpenjäger gegen den Vogesenkamm im Breuschtal zurückgewiesen.

Bei Erstürmung von Chateau Brimont bei Reims sind 2500 Gefangene gemacht worden. Auch sonst wurden in offener Feldschlacht Gefangene und Geschütze erbeutet, deren Zahl noch nicht zu übersehen ist.

Das Ostheer setzt seine Operationen im Gouvernement Suwalki fort. Teile gehen auf die Festung Osowiec vor.


Nr. 50 vom 20. September 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 19. September 1914. (Amtlich.) Die Lage im Westen ist im allgemeinen unverändert. Auf der ganzen Schlachtfront ist das englisch-französische Heer in die Verteidigung gedrängt. Der Angriff gegen die starken, teilweise in mehreren Linien hintereinander stehenden Stellungen kann nur langsam vorwärts gehen. Die Durchführung des Angriffs gegen die Linie der Sperrforts südlich von Verdun ist vorbereitet.

Im Elsass stehen unsere Truppen längs der Grenze französischen Kräften nicht gegenüber.

Im Osten wurde am 17. die 4. finnländische Schützenbrigade bei Augustow geschlagen. Beim Vorgehen gegen Osowiec wurden Grajewo und Szoguczin nach kurzem Kampfe genommen.


Nr. 51 vom 21. September 1914

WTB. (Amtlich.) Großes Hauptquartier, 20. September 1914. Abends. Im Angriffe gegen das französisch-englische Heer sind an einzelnen Stellen Fortschritte gemacht. Reims liegt in der Kampffront der Franzosen. Gezwungen, das Feuer zu erwidern, beklagen wir, dass die Stadt dadurch Schaden nimmt. Anweisung zur möglichsten Schonung der Kathedrale ist gegeben.

In den mittleren Vogesen sind Angriffe französischer Truppen am Donon, bei Senones und Saales abgewiesen.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz heute keine Ereignisse.


Nr. 52 vom 22. September 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 21. September 1914 Abends. Bei den Kämpfen um Reims wurden die festungsartigen Höhen von Craonelle erobert und im Vorgehen gegen das brennende Reims der Ort Betheny genommen.

Der Angriff gegen die Sperrforts-Linie südlich von Verdun überschritt siegreich den Ostrand der vorgelagerten, vom französischen 8. Armeekorps verteidigten Cote Lorraine.

Ein Ausfall aus der Nordostfront von Verdun wurde zurückgewiesen. Nördlich von Toul wurden französische Truppen im Biwak durch Artilleriefeuer überrascht. Im übrigen fanden heute auf dem französischen Kriegsschauplatz keine größeren Kämpfe statt.

In Belgien und im Westen ist die Lage unverändert.


Nr. 53 vom 22. September 1914

Hannover, 22. September 1914. Die "Deutsche Volkszeitung" veröffentlicht heute an der Spitze des Blattes folgenden Telegrammwechsel zwischen Seiner Majestät dem Kaiser und Seiner Königlichen Hoheit dem Herzog von Cumberland anlässlich des gestrigen Geburtstages des letzteren:

Seiner Königlichen Hoheit dem Herzog von Cumberland, Gmunden.

Großes Hauptquartier, 21. September 1914.

In ernster schwerer Zeit gedenke ich hier deines Geburtstages mit den aufrichtigsten Wünschen für dein und der deinigen Wohl. Gott der Herr, der schon so

Großes für uns getan hat, wolle in Gnaden weiter mit unseren tapferen Truppen sein und uns schließlich den Sieg über alle Feinde verleihen. Du wirst stolz sein auf deinen Sohn, der sich sein Eisernes Kreuz wohl verdient hat. Herzlichen Gruß an Thyra.

gez. Wilhelm.

Die Antwort lautet:

Seiner Majestät dem Kaiser, Großes Hauptquartier. Tief bewegt und herzlichst gerührt durch Dein so überaus gnädiges Gedenken meiner Person in dieser ernsten, erhebenden Zeit bitte ich Dich, meinen innigsten tiefgefühltesten Dank dafür freundlichst entgegennehmen zu wollen. Ich bin stolz und hochbeglückt durch diese gnädige Mitteilung, dass mein Sohn im Kampfe für Deutschlands Ehre und Ruhm das Eiserne Kreuz sich erwerben durfte. Möge Gott deinem tapferen Heere weiterhin Sieg verleihen und unserem teuren deutschen Vaterland und seiner gerechten Sache einen ruhmreichen Ausgang bescheren. Thyra und ich empfehlen uns auf das Wärmste als stolze Eltern.

gez. Ernst August.


Nr. 54 vom 23. September 1914

Drei englische Panzerkreuzer in Grund gebohrt.

WTB. Berlin, 23. September1914. (Nicht amtlich.) Aus London wird vom 22. des Monats amtlich gemeldet: Deutsche Unterseeboote schossen in der Nordsee die englischen Panzerkreuzer Aboukir, Hogue und Cressy in Grund. Eine beträchtliche Anzahl von Mannschaften wurde gerettet durch herbeigeeilte englische Kriegsschiffe und holländische Dampfer. Wie uns von amtlicher Stelle mitgeteilt wird, kann eine Bestätigung der Nachricht deutscherseits noch nicht erfolgen, da die Unterseeboote infolge der Entfernung Meldungen noch nicht haben erstatten können.

Aus anderer Quelle wird bekannt, das der Zusammenstoß am 22. zwischen 6 und 8 Uhr früh 20 Seemeilen nordwestlich Hoek van Holland stattfand. Aboukir wurde als erstes Schiff von einem Torpedo getroffen. Der holländische Dampfer Flora brachte 287 Überlebende nach Ymuiden.

Die Panzerkreuzer Cressy, Aboukir und Hogue stammen aus dem Jahre 1901, haben 12 200 Tonnen Wasserverdrängung, Bestückung von zwei 23.4 cm, zwölf 15 cm und zwölf 7,6 cm Geschützen. Maschinen von 21.000 Pferdestärken und 755 Mann Besatzung.




Nr. 55 vom 24. September 1914

Die Entscheidung im Westen noch nicht gefallen.

WTB. Großes Hauptquartier, 23. September 1914 abends. Auf dem rechten Flügel des deutschen Westheeres jenseits der Oise steht der Kampf. Umfassungsversuche der Franzosen haben keinerlei Erfolg gehabt. Ostwärts bis an den Argonnenwald fanden heute keine größeren Kämpfe statt. Östlich der Argonnen ist Varennes im Laufe des Tages genommen. Der Angriff schreitet weiter fort. Die gegen die Sperrforts südlich Verdun angreifenden Armeeteile haben heftige aus Verdun über die Maas und aus Toul erfolgte Gegenangriffe siegreich abgeschlagen. Gefangene, Maschinengewehre und Geschütze erbeutet. Das Feuer der schweren Artillerie gegen die Sperrforts Royon, Les Paroches, Camp des Romains und Lionville ist mit sichtbarem Erfolg eröffnet worden. In französisch Lothringen und an der elsässischen Grenze wurden die französischen Vortruppen an einzelnen Stellen zurückgedrängt. Eine wirkliche Entscheidung ist noch nirgends gefallen.

Aus Belgien und dem Osten ist nichts neues zu melden.

Berlin, 23. September 1914. Das Unterseeboot U 9, welches gestern die 3 englischen Panzerschiffe zum Sinken gebracht hat, ist unversehrt zurückgekehrt.


Nr. 56 vom 25. September 1914

Der Kampf im Westen steht noch.

WTB. Großes Hauptquartier, 24. September 1914. (Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz sind heute im allgemeinen keine wesentlichen Ereignisse eingetreten. Einzelne Teilkämpfe waren den deutschen Waffen günstig. Aus Belgien und von Osten ist nichts Neues zu melden.


Nr. 57 vom 25. September 1914

Verluste unserer 77er.

WTB. Berlin, 25, September 1914. Nach der Verlustliste Nr. 34 sind vom Infanterie-Regiment 77 3. Bataillon

  • tot 3 Offiziere, 6 Unteroffiziere, 49 Mann

  • verwundet 2 Offiziere, 8 Unteroffiziere, 88 Mann

  • vermisst 0 Offiziere, 1 Unteroffiziere, 23 Mann

Auszeichnung der Besatzung von „U 9".

WTB. Berlin, 25. September 1914. (Nicht amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat dem Kommandanten des Unterseebootes „U 9", Kapitänleutnant Otto Weddigen, das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse, den übrigen Offizieren und Mannschaften das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen.


Nr. 58 vom 26. September 1914

Ein Sperrfort südlich Verdun gefallen.

WTB. Großes Hauptquartier, 25. September 1914, abends (Amtlich.) Der Fortgang der Operationen hat auf unserem äußersten rechten Flügel zu neuen Kämpfen geführt, bei denen eine Entscheidung bisher nicht gefallen ist.

In der Mitte der Schlachtfront ist heute, abgesehen von einzelnen Vorstößen beider Parteien, nichts geschehen.

Als erstes der Sperrforts südlich Verdun ist heute Camp des Romains bei St. Mihiel gefallen. Das bayerische Regiment von der Tann hat auf dem Fort die deutsche Fahne gehisst und unsere Truppen haben dort die Maas überschritten.

Im übrigen weder im Westen noch im Osten irgend welche Veränderungen.


Nr. 59 vom 27. September 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 26. September 1914. (Amtlich.) Der Feind hat unter Ausnutzung seiner Eisenbahnen einen weit ausholenden Vorstoß gegen die äußerste rechte Flanke des deutschen Heeres eingeleitet. Eine hierbei auf Bapaume vorgehende französische Division ist von schwächeren deutschen Kräften zurückgeworfen, auch sonst ist der Vorstoß zum Stehen gebracht. Inmitten der Schlachtfront kam unser Angriff an einzelnen Stellen vorwärts. Die angegriffenen Sperrforts südlich Verdun stellten das Feuer ein. Unsere Artillerie steht nunmehr im Kampfe mit den Kräften, die der Feind auf dem westlichen Maasufer in Stellung brachte.

Auf den übrigen Kriegsschauplätzen ist die Lage unverändert.


Nr. 60 vom 28. September 1914

Auf den Kriegsschauplätzen nichts neues.

WTB. Großes Hauptquartier, 27. September 1914, abends. Die Lage auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen blieb heute unverändert.

Lüderitzbucht besetzt.

London, 28. September 1914. (Reuterbüro) Lüderitzbucht ist am 19. September von der südafrikanischen Truppe besetzt worden. Die Deutschen hatten vorher die Eisenbahn und die Funkstation zerstört und sich am 18. September zurückgezogen.

Ein französisches Kriegsschiff vernichtet, zwei schwer beschädigt.

WTB. Köln, 28. September 1914. Die "Kölner Zeitung" meldet aus Igalo in Dalmatien: Am 18. September fingen die Österreicher beim Bombardement von Antivari eine drahtlose Depesche der französischen Flotte an die Montenegriner auf, in der diese aufgefordert wurden, am 19. September mit den Franzosen einen Angriff auf die Bocche die Tattaro zu unternehmen. Am 19. September früh ließen die Küstenforts die französischen Kriegsschiffe bis auf 6 km herankommen, um sie auf Minen auflaufen zu lassen, doch kehrten die Schiffe plötzlich um, wobei sie mehrere Salven von den Forts erhielten. Ein französisches Kriegsschiff wurde vernichtet, zwei andere erlitten schwere Beschädigung.


Nr. 61 vom 27. September 1914

WTB. Wien, 29. September 1914, (Nicht amtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird amtlich gemeldet: 29. September. mittags. Angesichts der von den verbündeten deutschen und österreichisch-ungarischen Streitkräften eingeleiteten neuen Operationen sind beiderseits der Weichsel rückgängige Bewegungen des Feindes im Zuge. Starke russische Kavallerie wurde unsererseits bei Lincz, nördlich der Weichsel geschlagen und die feindlichen Kavalleriedivisionen vor den verbündeten Armeen hergetrieben.

Der stellvertretende Chef des Generalstabes

von Höfer, Generalmajor.

 


Nr. 62 vom 30. September 1914

Der Kampf in Frankreich, Belgien und Russland.

WTB. Großes Hauptquartier, 29. September 1914, abends. Auf dem rechten Heeresflügel in Frankreich fanden heute bisher noch unentschiedene Kämpfe statt. In der Front zwischen Oise und Maas herrscht im allgemeinen Ruhe. Die im Angriff gegen die Maasforts stehende Armee schlug erneute französische Vorstöße aus Verdun und Toul zurück.

Gestern hat die Belagerungsartillerie gegen einen Teil der Forts von Antwerpen das Feuer eröffnet. Ein Vorstoß belgischer Kräfte gegen die Einschliessungslinie ist zurückgewiesen.

Im Osten scheiterten russische Vorstöße, die über den Njemen in das Gouvernement Suwalki erfolgten. Gegen die Festung Ossovice trat gestern schwere Artillerie in Kampf.


Nr. 63 vom 30. September 1914

WTB. Wien, 30. September 1914, (Amtlich.) Der Oberkommandant, der Herzog Friedrich, erlässt einen Armeebefehl, in dem es unter anderem heißt: Die Situation ist für uns und für das deutsche Heer günstig. Die russische Offensive in Galizien ist im Begriff, zusammenzubrechen. Gegen Frankreich steht ein neuer großer Sieg bevor. Auf dem Balkankriegsschauplatz kämpfen wir gleichfalls im Feindesland. Innere Unruhen, Aufstände, Elend und Hungersnot bedrohen unsere Feinde im Rücken, während die Monarchien einig und in starker Zuversicht dastehen, um diesen uns freventlich aufgezwungenen Krieg bis ans siegreiche Ende durchzukämpfen.

Tokio, 29. September 1914 (Nicht amtlich, Meldung des Reuterschen Büros.) Die Japaner haben am Sonntag die Deutschen 5 Meilen von Tsingtau entfernt angegriffen.

Tokio, 29. September 1914. Eine amtliche Mitteilung besagt: Bei ihrem Landangriff auf die nächste Umgebung von Lingtao hatten die Japaner drei Tote und zwölf Verwundete.

London, 29. September 1914 (Nicht amtlich.) Die Admiralität gibt bekannt, dass während der letzten Tage der Kreuzer "Emden" im indischen Ozean weitere vier Dampfer und ein Kohlenschiff weggenommen und in den Grund gebohrt hat. Die Bemannung der Schiffe wurde auf einem fünften Dampfer nach Colombo geschickt, wo sie gestern eintraf.