Schlacht um Łódź

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Schlacht um Łódź

Teil von: Erster Weltkrieg, Ostfront


Ostfront November 1914

Datum

11. November bis 5. Dezember 1914

Ort

Łódź , Polen

Ausgang

Unentschieden, Folgen strategisch günstig für das Deutsche Reich

 

 

Konfliktparteien


Deutsches Reich


Russisches Kaiserreich

Befehlshaber

Erich Ludendorff, August von Mackensen

Nikolai Ruzski, Pawel von Plehwe, Sergej Michajlovič Scheideman

Truppenstärke

15 Divisionen

24 Divisionen

Verluste

ca. 130.000

ca. 150.000

Die Schlacht um Łódź war eine Schlacht während des Ersten Weltkrieges vom 11. November bis zum 5. Dezember 1914 zwischen dem Deutschen Reich und dem Russischen Reich um die Stadt Łódź in Polen.

Hintergrund

Trotz der gescheiterten Offensive der Russen zu Beginn des Krieges bei Tannenberg im August 1914 war die Entschlossenheit des russischen Großen Generalstabs ungebrochen, den Krieg auf deutsches Territorium zu tragen. Hierfür stellte der Oberbefehlshaber der Stawka die 2. Armee unter Pawel von Plehwe und die 5. Armee unter Scheidemann südlich von Ostpreußen auf. Die beiden Verbände sollten dann von Polen wiederum in die deutsche Ostprovinz vorstoßen, wie dies bereits bei Tannenberg der Fall war.

Der deutsche Generalstabschef an der Ostfront Erich Ludendorff wollte die russische Offensive noch in ihrer Aufbauphase stören und dann auf das Nachschubzentrum beider Armeen, die Stadt Łódź, vorstoßen. Sein strategisches Ziel war es, zwischen deutschem Gebiet und dem russischen Kriegsgegner einen Puffer zu gewinnen, um weitere Bedrohungen Ostpreußens abzuwenden.

Verlauf

Deutscher Durchbruch

Verlauf der Schlacht

Am 11. November 1914 starteten die deutschen Truppen ihre Offensive. Ludendorff hatte für den Angriff das 5. Sibirische Korps als Hauptziel ausersehen. Dieser Verband lag isoliert von anderen Einheiten südlich der Weichsel. Ebenso waren die Defensivmaßnahmen des Korps unzureichend, da es nicht mit der notwendigen Ausrüstung versorgt war. Den deutschen Kräften gelang es, die Infanterie des Korps fast vollständig aufzureiben, die ihm zugeordnete Artillerie zog sich zurück. Der Chef des Generalstabs General Russki schätzte die Situation an der Front vollkommen falsch ein. Er hielt den Angriff eher für ein Strohfeuer und meinte das beste Mittel, um dagegen vorzugehen, sei der schnellstmögliche Angriff der 2. und 5. Armee auf deutsches Gebiet. Währenddessen gelang es der deutschen 9. Armee, die Russen bis zum 17. November bis auf eine Entfernung von 50 Kilometer zu ihrem Versorgungszentrum Łódź zurückzudrängen.

Russische Konsolidierung

Der Schlüssel zur Abwehr des deutschen Vorstoßes lag in einer Befehlsverweigerung der russischen Armeekommandeure, Pawel von Plehwe, Sergej Scheidemann und Paul von Rennenkampf. Entgegen den Befehlen ihres Vorgesetzten Nikolai Russki gaben sie sämtliche Offensivepläne in Richtung Ostpreußen auf. Die 1. Armee unter Rennenkampf zog sich von Norden, die 5. Armee unter Plehve von Süden auf Łódź zurück. Sie erreichten die Stadt noch vor den heranrückenden Deutschen und bauten eine Verteidigungslinie auf. Somit trafen die Truppen Mackensens nicht auf eine desorganisierte einzelne Armee, sondern auf drei, die zum Halten der Stadt gut vorbereitet waren.

Entsprechend mäßig fielen die deutschen Erfolge aus. Es gelang nur drei Divisionen, im Süden der Stadt durchzubrechen. Doch dort liefen sie nun selbst in Gefahr, eingeschlossen zu werden. Die Truppen konnten sich unter Verlusten wieder aus dem Einbruch zurückziehen. Diesen glimpflichen Ausgang verdankte man allerdings nicht nur der eigenen Leistung sondern auch der Ineffizienz der russischen Armee, die unfähig schien die kleinere deutsche Truppe einzukreisen. Ab dem 24. November verfestigten sich die Fronten und Ludendorff musste einsehen, dass der Versuch der Eroberung der polnischen Stadt fehlgeschlagen war.

Resultat

Der Stab des V. Sibirischen Korps

Der Stab der 8. Armee unter Hindenburg

Nach dem Ende der Kampfhandlungen bot sich ein differenziertes Bild. Beide Seiten hatten starke Verluste erlitten und keiner Seite war es gelungen, ihre strategischen Ziele zu erreichen. Der russische Angriff auf Ostpreußen war in weite Ferne gerückt, da er noch in der Aufbauphase gestört worden war. Das Ziel der deutschen Führung, durch die Eroberung von Łódź eine strategische Sicherung für Ostpreußen zu erhalten und die Eroberung Polens vorzubereiten, wurde aber ebenso wenig erreicht. Ludendorff stellte die unentschiedene Schlacht allerdings als großen Erfolg dar. Infolgedessen gelang es ihm, seinem eigentlichen Vorgesetzten von Falkenhayn, dem Chef der OHL, gegen dessen ursprüngliche Entscheidung vier Korps für seine Operationen auf dem östlichen Kriegsschauplatz abzutrotzen. Auf russischer Seite ergaben sich eher diffuse Reaktionen. Die Befehlsverweigerung der drei russischen Generäle hatte eine Katastrophe verhindert, doch war der Generalstabschef Russki nicht willens, dies anzuerkennen. Allerdings änderte er seine Befehle radikal. Nachdem er während des Geschehens vollkommen auf seine Offensivstrategie fixiert war, ging er nun zur Defensive über. Er argumentierte, dass für einen neuerlichen Angriff erst einmal die Flanke der drei Armeen gesichert werden müsse. Dies sei am besten durch eine Rücknahme der Front bei Łódź durchzuführen, da die Stadt ungünstig gelegen sei. Außerdem machte er Nachschubprobleme für seine Entscheidung verantwortlich. Somit mussten sich die russischen Soldaten am 6. Dezember 1914 aus der Stadt zurückziehen, die sie vorher so verbissen wie erfolgreich verteidigt hatten.

Literatur

  • John Keegan: Der Erste Weltkrieg. Eine europäische Tragödie, Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2001. ISBN 3-499-61194-5.

  • Christian Zentner: Der erste Weltkrieg. Daten, Fakten, Kommentare, Moewig, Rastatt 2000. ISBN 3-8118-1652-7.

  • Norman Stone: The Eastern Front 1914-1917, Penguin Books Ltd., London 1998 ISBN 0-14-026725-5.

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