Extrablatt der Celleschen Zeitung und Anzeigen.

März 1915


 

Ein deutsches Unterseeboot vernichtet.

Berlin, 5. März (Amtlich.) Nach amtlicher Bekanntmachung der britischen Admiralität ist das deutsche Unterseeboot U. 8 gestern abend in der Nähe von Dover durch ein englisches Torpedoboot zum sinken gebracht worden. Die Besatzung wurde gerettet.

Der Stellvertreter des Chef des Admiralstabes.

gez. Behnke.


 

3400 Russen gefangen, 16 Maschinengewehre erbeutet.

WTB. Großes Hauptquartier, 7. März. (Amtlich.)Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen der See und der Somme fanden im allgemeinen nur Artilleriekämpfe statt. Nächtliche Versuche des Feindes, südlich Ypern vorzustoßen, wurden vereitelt — In der Champagne machten unsere Truppen Fortschritte. Wir nahmen dem Feinde einige Gräben und etwa 60 Gefangene ab, ein französischer Massenangriff gegen unsere Stellungen nordwestlich von Lemesnil brach unter schweren Verlusten für die Franzosen in unserem Infanterie und Artilleriefeuer zusammen — Östlich von Badonviller wurden feindliche Vorstöße zurückgewiesen. In den Vogesen kamen gestern eingeleitete Kämpfe westlich von Münster und nördlich von Sennheim noch nicht zum Abschluße.

Östlicher Kriegsschauplatz. Unsere Bewegungen nordwestlich von Grodno verliefen planmäßig. Ein russischer Nachtangriff auf Macarce nordöstlich von Lomza wurde abgeschlagen. Auch westlich Prasznysz wurden starke russische Angriffe abgewiesen. — Unsere Angriffe südöstlich Rawa waren erfolgreich: 3400 Russen wurden gefangen genommen und 16 Maschinengewehre erbeutet.

Oberste Heeresleitung.


 

 

5500 Russen gefangen genommen.

WTB. Großes Hauptquartier, 9. März (Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der Lorettohöhe entrissen unsere Truppen den Franzosen zwei weitere Gräben, machten sechs Offiziere 250 Mann zu Gefangenen und erbeuteten zwei Maschinengewehre und zwei kleinere Geschütze. In der Champagne sind die Kämpfe bei Soins noch nicht zum Schluß gekommen. Nordöstlich Lemesnil wurde der zum vorbrechen bereite Gegner durch unser Feuer am Angriff behindert. In den Vogesen erschwerten Nebel und Schnee die Gefechtstätigkeit. Die Kämpfe westlich Münster und nördlich von Sennheim dauern noch an.

Östlicher Kriegsschauplatz. Östlich und südlich vonAugustow scheiterten russische Angriffe mit schweren Verlusten für den Feind. Nordöstlich von Lomza ließ der Feind nach einem mißlungenen Angriffe 800 Gefangene in unsern Händen. Nordwestlich von Ostrolenka entwickelte sich ein Ktampf, der noch nicht zum Abschluß kam. In dem für uns gut verlaufenen Gefechte nordwestlich und westlch Prasznysz machten wir 3000 Gefangene. Russische Angriffe nördlich von Rawa und nordwestlich von Nowo-Miasto hatten keinen Erfolg. 1700 Russen wurden gefangen genommen.

Oberste Heeresleitung.



 

WTB. Großes Hauptquartier, 18. März. Amtl. Westlicher Kriegsschauplatz. Ein französischer Vorstoß auf unsere Stellungen am Südhang der Lorettehöhe wurde abgeschlagen. Französische Teilangriffe in der Champagne nördlich von Lemesnille wurden durch Gegenangriffe zum Stehen gebracht. Ein dort gestern Abend erneut einsetzender französischer Angriff ist unter schweren Verlusten für den Feind zurückgewiesen. In den Argonnen flauten die Gefechte gestern ab. Französische Flieger warfen auf die offene elsässische Stadt Schlettstadt Bomben ab, von denen nur eine Wirkung erzielte, indem sie in das Lehrerinnenseminar einschlug, 2 Kinder tötete und 10 schwer verletzte. Als Antwort darauf wurde heute Nacht die Festung Calais mit Bomben schweren Kalibers belegt.

Östlicher Kriegsschauplatz. Die russischen Angriffe auf unsere Stellungen zwischen Pissek und Orzig sowie nordöstlich Prasnysa wurden auch gestern ohne Erfolg fortgesetzt. Westlich der Szewa machten wir 900, östlich der Szewa 1000 Gefangene und erbeuteten 4 Maschinengewehre.

Einen billigen Erfolg errangen russische Reichswehrhaufen beim Einbruch in dem nördlichen Zipfel Ostpreußens in der Richtung auf Memel, sie plünderten und steckten Dörfer und Güter in Brand. Den Städten des von uns besetzten Gebietes ist zur Strafe die Zahlung größerer Summen als Entschädigung auferlegt. Für jedes von diesen Horden auf deutschem Gebiete niedergebrannte Dorf oder Gut werden 3 Dörfer oder Güter des von uns besetzten russischen Gebietes den Flammen übergeben werden. Jeder Brandschaden in Memel wird mit Niederbrennung der russischen Regierungsgebäude in Suwalki und den anderen in unseren Händen befindlichen Gouvernements-hauptorten beantwortet werden.

Oberste Heeresleitung.

Bildquelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/1912

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.de


 


 

 

Ein französisches Panzerschiff vernichtet.

WTB. Konstantinopel, 18. März. Das Hauptquartier meldet: Ein Teil unserer Flotte bombardierte heute früh die Schiffswerft und den Übungsplatz für Torpedoboote westlich von Theodosia in der Krim und steckte sie in Brand. Heute früh eröffnete die feindliche Flotte ein heftiges Feuer gegen die Forts der Dardanellen, welche erfolgreich erwiderten. Um 2 Uhr nachmittags wurde das französische Panzerschiff "Bouvet" in den Grund gebohrt.

 


 

Przemysl gefallen.

WTB. Wien, 22. März. (Amtlich) Nach viereinhalb monatlicher Einschließung ist die Festung Przemysl heute in Ehren gefallen. Da nach dem Ausfall vom 19. d. Mts. auch die äußerste Beschränkung in der Verflegungsration nur mehr einen dreitägigen Widerstand gestattete, erhielt der Festungskommandant den Befehl nach Ablauf dieser Frist und nach Vernichtung des Kriegsmaterials den Platz dem Feinde zu überlassen. Es gelang tatsächlich die Forts samt Geschützen, Munition und befestigten Anlagen rechtzeitig zu zerstören. — Der Fall der Festung, mit dem die Heeresleitung längere Zeit rechnen musste, hat keinen Einfluss auf die Lage im Großen.

 


 

*Redaktion:H. Pfingsten, Celle. Druck und Verlag von Schweiger & Pick, Celle.