Extrablatt der Celleschen Zeitung und Anzeigen.

Juni 1916


Der Caillette-Wald gestürmt.

Über 2000 Gefangene.

WTB. Großes Hauptquartier, 2. Juni 1916. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei wesentlicher Steigerung ihres Artilleriefeuers und einleitenden Sprengungen griffen starke englische Kräfte abends westlich und südwestlich von Givenchy an. Sie wurden im Nahkampf zurückgeworfen, soweit sie nicht bereits im Sperrfeuer unter großen Verlusten umdrehen mussten.

Auf dem Westufer der Maas brachen die Franzosen erneut zum Angriff vor. Sie hatten keinerlei Erfolg. Östlich des Flusses stürmten unsere Truppen den Caillette-Wald und die beiderseits anschießenden Gräben. Ein heute morgen südwestlich des Baux-Teiches mit starken Kräften geführter feindlicher Gegenstoß scheiterte. Es sind bisher 76 Offiziere und über 2000 Mann zu Gefangenen gemacht sowie 3 Geschütze und mindestens 23 Maschinengewehre erbeutet.

Südwestlich von Lille fiel ein englisches Flugzeug mit Insassen unversehrt in unsere Hand. Im Luftkampfe wurde ein französischer Kampfeinsitzer über dem Marne-Rücken zum Absturz gebracht, ferner in unserm Bereiche je ein Doppeldecker über Baux und westlich Mörchingen. Der, wie gestern gemeldet, westlich Cambrai abgeschossene englische Doppeldecker ist der vierte von Leutnant Mulzer außer Gefecht gesetzte Gegner.

Östlicher Kriegsschauplatz. Ein gelungener deutscher Erkundungsvorstoß auf der Front südlich von Smorgon brachte einige Dutzend Gefangene ein. Südwestlich des Driswjatn-Sees wurde ein russisches Flugzeug durch Artilleriefeuer vernichtet.

Balkan-Kriegsschauplatz. Nichts neues.

O b e r st e Heeresleitung.





Ein englischer Panzerkreuzer mit

Lord Kitchener an Bord versenkt.

London, 6. Juni. Die Admiralität teilt amtlich mit: Der Kommandierende der großen Flotte meldet, er müsse zu seinem großen Bedauern berichten, dass das Kriegsschiff „Hampshire", das sich mit Lord Kitchener mit seinem Stab an Bord auf dem Wege nach Russland befand, letzte Nacht an den Orkneys-Inseln durch eine Mine oder vielleicht durch ein Torpedo versenkt wurde. Die Nacht war sehr stürmisch und, obwohl sofort alle möglichen Schritte unternommen wurden, um rasch Hilfe zu leisten, besteht, wie man fürchtet, wenig Hoffnung, das irgend jemand mit dem Leben davon gekommen ist.

(Hampshire ist ein 1903 vom Stapel gelaufener Panzerkreuzer von 11000 Tonnen.)



 

Die Panzerfeste Vaux in unseren Händen.

Neue Erfolge bei Ypern.


WTB. Großes Hauptquartier, 7. Juni 1916. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Zur Erweiterung des am 2. Juni auf den Höhen südöstlich von Ypern errungenen Erfolges griffen gestern oberschlesische und württembergische Truppen die englischen Stellungen bei Boge an. Der vom Feinde bislang noch gehaltene Rest des Dorfes, ferner die westlich und südlich anschließenden Gräben sind genommen. Das gesamte Höhengelände südöstlich und östlich von Ypern in einer Ausdehnung von über 3 km. ist damit in unserm Besitze. Die englischen blutigen Verluste sind schwer. Wiederum konnte nur eine geringe Anzahl von Gefangenen gemacht werden.

Auf dem westlichen Maasufer gingen abends starke französische Kräfte nach heftiger Artillerie-Vorbereitung in dreimal wiederholten Angriffen gegen unsere Linien auf der Caurette=Höhe vor. Der Gegner ist abgeschlagen, die Stellung lückenlos in unserer Hand.

Auf dem Ostufer haben die am 2. Juni begonnenen scharfen Kämpfe zwischen dem Cailette-Walde und Damloup weitere Erfolge gebracht. Die Panzerfeste Vaux ist seit heute Nacht in allen ihren Teilen in unseren Händen. Tatsächlich wurde sie schon am 2. Juni durch die 1. Kompanie des Paderborner Infanterie-Regiments unter Führung des Leutnants Rackow gestürmt, der dabei durch die Pioniere der 1. Kompanie Reserve=Pionier=Bataillons 20 unter Leutnant d. Res. Gruberg wirkungsvoll unterstützt wurde. Den Erstürmern folgten bald andere Teile der ausgezeichneten Truppe. Die Veröffentlichung ist bisher unterblieben, weil sich in uns unzugänglichen unterirdischen Räumen noch Reste der französischen Besatzung hielten. Sie haben sich nunmehr ergeben, wodurch einschließlich der bei dem gestrigen vergeblichen Entsatz versuche eingebrachten über 700 unverwundeten Gefangene gemacht, eine große Anzahl Geschütze, Maschinengewehre und Minenwerfer erbeutet wurden. Auch die Kämpfe um die Hänge beiderseits des Werkes und um den Höhenrücken südwestlich des Dorfes Damloup sind siegreich durchgeführt. Der Feind hatte in den letzten Tagen verzweifelte Anstrengungen gemacht, den Fall der Feste und der anschließenden Stellungen abzuwenden. Alle seine Gegenangriffe sind unter schweren Verlusten fehlgeschlagen.

Neben den Paderbornern haben sich andere Westfalen, Lipper und Ostpreußen bei diesem Kampfe besonders hervortun können. Seine Majestät der Kaiser hat dem Leutnant Rackow den Orden Pour le merite verliehen.

Östlicher und Balkankriegsschauplatz. Die Lage bei den deutschen Truppen ist unverändert.

Oberste Heeresleitung.

Bildquelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/1057

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.de

Bildquelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/1958

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.de

 



Das Panzerwerk Thiaumont genommen

2673 Gefangene.

WTB. Großes Hauptquartier, 24. Juni 1916. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Rechts der Maas brachen unsere Truppen, an der Spitze das 10. Bayer. Infant.Regiment „König" und das Bayerische Leib=Infanterie=Regiment nach wirksamer Feuervorbereitung auf dem Höhenrücken „Kalte Erde" und östlich davon zum Angriff vor, stürmten über das Panzerwerk Thiaumont, das genommen wurde hinaus, eroberten den größten Teil des Dorfes Fleury und gewannen auch südlich der Feste Vaux Gelände. Bisher sind in den Sammelstellen 2673 Gefangene, darunter 60 Offiziere eingebracht.

Auf den übrigen Fronten stellenweise lebhafte Artillerie-, Patrouillen- und Fliegertätigkeit. Bei Haumont wurde ein französischer Kampfeindecker im Luftkampfe zum Absturz gebracht. Leutnant Wittgen schoss bei Blamont sein 7. feindliches Flugzeug, einen französischen Doppeldecker ab.

Östlicher Kriegsschauplatz. Russische Teilvorstöße wurden südlich von Illuxt und nördlich Widen abgewiesen.

Ein deutsches Fliegergeschwader griff den Bahnhof Polotzany (südwestlich von Molodetschno) an, auf dem Truppeneinladungen beobachtet wurden. Ebenso wurden auf die Bahnanlagen von Luniniec Bomben abgeworfen.

Bei der Heeresgruppe des Generals v. Linsingen wurde der Angriff bis in und über die allgemeine Linie Zubilno-Wittyn-Zwiniacze vorgetragen. Heftige feindliche Gegenangriffe scheiterten. Die Zahl der russischen Gefangenen ist ständig im wachsen.

Bei der Armee des Generals Grafen v. Bothmer fanden nur kleinere Gefechte zwischen vorgeschobenen Abteilungen statt.

Balkankriegsschauplatz. Nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.