Extrablatt der Celleschen Zeitung und Anzeigen.

Juli 1915


 

 

Die Italiener unter furchtbaren Verlusten geschlagen.

WTB. Wien, 6. Juli 1915. Dem amtlichen Berichte zufolge drängt die Armee des Erzherzogs Josef Ferbinand nach gelungenem Durchbruch unter neuen erfolgreichen Kämpfen weiter vor und hat gestern die Gegend von Cielczew und die Höhen nördlich der Bisnica erkämpft. Unter dem Drucke dieses Vorgehens wich der Gegner auf Wieprz unb Tarnogora zurück. Die in diesen Kämpfen eingebrachte Beute hat sich auf 41 Offiziere, 11 500 Mann und 17 Maschinengewehre erhöht.

Die Kämpfe im Görzischen, die in den letzten Tagen einen immer größeren Umfang angenommen hatten, entwickelten sich gestern durch den allgemeinen Angriff der italienischen dritten Armee zur Schlacht. Etwa vier feindliche Korps gingen unter mächtiger Artillerieunterstützung gegen unsere Front vom Görzer Brückenkopfe bis zum Meere vor. Sie wurden vollständig zurückgeschlagen und erlitten furchtbare Verluste.


 

Erfolge in Frankreich.

WTB. Großes Hauptquartier, 14. Juli 1915. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Heute Nacht wurden abermalige Handgranaten-Angriffe bei der Zuckerfabrik Souchez abgewiesen. Die Franzosen sprengten in der Gegend von Troyjon (westlich von Craone) und von Cerches in der Champagne erfolglos einige Minen. Unser Handgranatenfeuer hinderte sie, sich an den Sprengstellen festzusetzen. — In den Argonnen führten deutsche Angriffe zu vollen Erfolgen: Nordöstlich von Bienne le Chateau wurden in etwa 1000 Meter. Breite die französischen Linien genommen. 1 Offizier und 137 Mann wurden gefangen, 1 Maschinengewehr und 1 Minenwerfer erbeutet. Südwestlich von Bouraulles stürmten unsere Truppen die feindliche Höhenstellung in einer Breite von 3 Kilometern und einer Tiefe von 1 Kilometer. Die Höhe 285 (La fille morte) ist in unserem Besitz. An unverwundeten Gefangenen fielen 2581 Franzosen, darunter 51 Offiziere, in unsere Hände; außerdem wurden 3—400 verwundete Gefangene in Pflege genommen. 2 Gebirgsgeschütze, 2 Revolverkanonen, 6 Maschinengewehre und eine große Menge Geräte wurden erbeutet. Unsere Truppen stießen bis zu den Stellungen der französischen Artillerie vor und machten 8 Geschütze unbrauchbar, die jetzt zwischen den beiderseitigen Linien stehen. Ein englisches Flugzeug wurde bei Frezenburg nordöstlich von Ypern heruntergeschossen.

Östlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Njemen und Weichsel haben unsere Truppen in der Gegend von Kalwarja (westlich Kolno) und Prasnysz und südlich Mlawa einige örtliche Erfolge erzielt.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei den deutschen Truppen keine Änderung.

Oberste Heeresleitung.

 


 

Erfolge in Russland.

WTB. Großes Hauptquartier, 30. Juli. 1915 (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Perthes in der Champagne wurden von beiden Seiten Minen gesprengt, wobei wir einen französischen Flankierungsgraben nordwestlich des Ortes zerstörten. Im Priesterwalde brach ein französischer Angriff beiderseits Croix des Carmes im Feuer der Infanterie und Artillerie vor unseren Hindernissen zusammen. In den Vogesen griff der Feind gestern Nachmittag erneut die Linie Lingekopf=Barrenkopf an. Die Nahkämpfe um den Besitz der Stellung sind noch nicht abgeschlossen. Drei englische Flieger mussten nahe der Küste auf dem Wasser niedergehen und wurden gefangen genommen.

Östlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist im allgemeinen unverändert.

Südöstlicher Kriegsschauplatz. Truppen der Armee des Generalobersten von Woyrsch haben am frühen Morgen des 28. den Weichselübergang zwischen Pilica-Mündung und Kozienice an mehreren Stellen erzwungen. Auf dem östlichen Ufer wird gekämpft. Es wurden bisher 800 Gefangene gemacht und 5 Maschinengewehre erbeutet. Gestern haben die verbündeten Armeen des Generalfeldmarschalls v. Mackensen die Offensive wieder aufgenommen. Westlich des Weiprz durchbrachen deutsche Truppen die russische Stellung. Sie erreichten am Abend die Linie Piaspi=Bislupice und die Bahn östlich davon, viele tausend Gefangene und 3 Geschütze fielen in unsere Hand. Diese Erfolge sowie die Vorstöße österreichisch-ungarischer und deutscher Truppen südöstlich der Weichsel, preußischer Gardetruppen bei Krupe nordöstlich Krasnostad und anderer deutscher Truppen in der Gegend von Wojslzwice haben die russische Front zwischen Weichsel und Bug zum Wanken gebracht. Heute früh räumten die Russen ihre Stellungen auf der ganzen Linie, sie halten nur noch nördlich von Grubieszow.

Oberste Heeresleitung.


 

*Redaktion:H. Pfingsten, Celle. Druck und Verlag von Schweiger & Pick, Celle.