Extrablatt der Celleschen Zeitung und Anzeigen.

Januar 1915

 


 

Ein englisches Linienschiff gesunken.

 

WTB. Berlin, 1. Januar (Nichtamtlich.) Aus London wird amtlich gemeldet: Das englische Linienschiff „Formidable" ist heute früh im Kanal gesunken. 71 Mann der Besatzung sind durch einen kleinen Kreuzer gerettet. Möglich ist das weitere Überlebende durch andere Schiffe aufgenommen sind. Das englische Pressebüro fügt hinzu, es sei noch unsicher, ob die Ursache eine Mine oder Torpedoschuß eines Unterseebootes sei. „Formidable" ist ein älteres Linienschiff aus dem Jahre 1898, hat eine Wasserverdrängung von 15 240 Tons, eine Armierung von vier 30,5 Zentimeter, zwölf 15 Zentimeter, achtzehn leichten Geschützen, 4 Torpedoausstoßrohren. Maschinenleistung 15 000 Pferdestärken, Geschwindigkeit 18 Seemeilen, Besatzung 750 Mann. „Formidable" gehörte zum fünften Linienschiffsgeschwader und wurde mehrfach genannt unter den Schiffen, welche die belgische Küste in letzter Zeit beschossen.

 


 

WTB. Großes Hauptquartier. (Amtl.), 12. Jan. Westlicher Kriegsschauplatz. Südlich des Kanals von La Baffe finden geringfügige Kämpfe statt, die bisher ohne Ergebnisse waren. Nördlich Crony griffen die Franzosen gestern Abend an, wurden aber unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Heute früh lebten die Kämpfe wieder auf. Ein gestern Nachmittag in Gegend Perthes unternommener französischer Angriff brach in unserem Feuer zusammen. Der Feind hatte sehr schwere Verluste. In den Argonnen wurde an der Römerstraße ein feindlicher Stützpunkt erobert. Zwei Offiziere und 140 Mann fielen dabei in unsere Hände. In den Kämpfen im östlichen Teile der Argonnen sind den Franzosen seit 8. Januar (einschließlich der gemeldeten) 1 Major, 3 Hauptleute, 13 Leutnants und 1600 Mann an Gefangenen abgenommen, sodass ihr Gesamtverlust einschl. Toter und verwundeter in diesem beschränkten Gefechtsraum auf 3500 Mann geschätzt wird. Französische Angriffsversuche bei Villy südlich St. Mihiel scheiterten.

Östlicher Kriegsschauplatz. In Ostpreußen nichts Neues. Russische Vorstöße im nördlichen Polen hatten keinen Erfolg. Unsere Angriffe im Gebiete westlich der Weichsel machten trotz des schlechten Wetters an einigen Stellen Fortschritte. Auf dem östlichen Pilicaufer keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.

 


 

Erdbeben in Italien.

 

Rom, 14. Januar. Zu dem gestrigen Erdbeben in Italien meldet das "Giornale", das in Avezzano die Zahl der Überlebenden nur 800 beträgt. Da Avezzano 11000 Einwohner hat, seien über 10 000 tot. In Monte Rotondo stürzte das Rathaus ein, in Peroli mehrere Häuser.

 


 

WTB. Großes Hauptquartier 14. Jan. (Amtl.) In den Dünen bei Nieuport und südöstlich Ypern Artilleriekampf. Besonders starkes Feuer richtet der Feind auf Westende Bad, das er bald gänzlich zerstört haben wird. Feindliche Torpedoboote verschwanden, sobald sie Feuer erhielten.

In Fortsetzung der Angriffe vom 12. Januar nordöstlich Soissons griffen unsere Truppen erneut auf den Höhen von Bregny an und säuberten auch diese Hochfläche vom Feinde. Im strömenden Regen und tief aufgeweichten Lehmboden wurde bis in die Dunkelheit hinein Graben auf Graben im Sturme genommen und der Feind bis an den Rand der Hochfläche zurückgetrieben. 14 französische Offiziere und 1130 Mann wurden gefangen genommen, vier Geschütze, vier Maschinengewehre und ein Scheinwerfer erobert. Eine glänzende Waffentat unserer Truppen unter den Augen ihres Allerhöchsten Kriegsherrn.

Die Gesamtbeute aus den Kämpfen vom 12. und 13. Januar nordöstlich Soissons hat sich nach genauerer Feststellung erhöht auf 3150 Gefangene, 8 schwere Geschütze, 1 Revolverkanone, 6 Maschinengewehre und sonstiges Material.

Nordöstlich des Lagers von Chalons griffen die Franzosen gestern vor= und nachmittags mit starken Kräften östlich Perthes an. An einigen Stellen drangen sie in unsere Gräben ein, wurden aber durch kräftige Gegenstöße hinaus - und unter schweren Verlusten in ihre Stellungen zurückgeworfen. Sie ließen 160 Gefangene in unseren Händen. — In den Argonnen und Vogesen nichts von Bedeutung.

Östlicher Kriegsschauplatz. Südöstlich Gumbinnen und östlich Lötzen sind russische Angriffe abgeschlagen, wobei mehrere hundert Gefangene gemacht wurden. — Im nördlichen Polen ist die Lage unverändert. In Polen westlich der Weichsel wurden unsere Angriffe fortgesetzt. - Auf dem östlichen Pilicaufer ereignete sich nichts Besonderes.

Oberste Heeresleitung.

 


 

 

WTB. Großes Hauptquartier, 23. Jan, (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Flieger warfen gestern ohne Erfolg bei Gent und Seebrügge Bomben ab. Zwischen Souain und Perthes nördlich des Lagers von Chalons griff der Feind gestern Nachmittag an. Der Angriff brach in unserem Feuer zusammen. Der Feind flüchtete in seine Gräben zurück. Im Argonnerwalde eroberten unsere Truppen westlich Fontaine-la-Mitte eine feindliche Stellung, machten drei Offiziere, 245 Mann zu Gefangenen und erbeuteten vier Maschinengewehre. Nordwestlich Pont-a-Mousson wurden zwei französische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Bei den Kämpfen um Zugrückgewinnung unserer Gräben wurden dem Feinde seit dem 21. Januar 7 Geschütze und 1 Maschinengewehr abgenommen. Bei Wiesenbach wurden Alpenjäger zurück-geworfen. Mehrere nächtliche Angriffe des Feindes auf Hartmannsweilerkopf blieben erfolglos.

Östlicher Kriegsschauplatz. In Ostpreußen nichts Neues. Im nördlichen Polen in Gegend Przasnysz wurde ein unbedeutender russischer Angriff abgewiesen. Aus Blinno und Gojsk wurden die Russen hinausgeworfen. Bei Szpital-Gorny vorgehende russische Abteilungen wurden zum Rückzuge gezwungen. Unsere Angriffe auf den Bsura-Abschnitt dauern fort. In Gegend Rawa und westlich Shenciny lebhafte Artilleriekämpfe.

Oberste Heeresleitung.

 

 


 

WTB. Großes Hauptquartier, 26. Jan. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Feind nahm gestern, wie gewöhnlich, Middelkerke und Westende-Bad unter Artilleriefeuer. Eine größere Zahl Einwohner sind durch dieses Feuer getötet und verletzt worden, darunter der Bürgermeister von Middelkerke. Unsere Verluste gestern waren ganz gering. Beiderseits des Kanals von La Baffee griffen unsere Truppen die Stellungen der Engländer an. Während der Angriff nördlich des Kanals zwischen Givenchy und dem Kanal wegen starker Flankierung nicht zur Wegnahme der englischen Stellungen führte, hatte der Angriff der Badenser südlich des Kanals vollen Erfolg. Hier wurden die englischen Stellungen in einer Frontbreite von 1100 Meter im Sturm überrannt, zwei starke Stützpunkte erobert, drei Offiziere, 110 Mann gefangen genommen, ein Geschütz und drei Maschinengewehre erbeutet. Die Engländer versuchten vergeblich, die von uns sofort für unsere Zwecke ausgebauten Stellungen zurückzuerobern, wurden aber mit schweren Verlusten zurückgeschlagen. Unsere Verluste sind verhältnismäßig gering.

Auf der Höhe von Traonne, südöstlich Laon, fanden für unsere Truppen erfolgreiche Kämpfe statt.

Im Südteil der Vogesen wurden sämtliche Angriffe der Franzosen abgewiesen. Über 50 Gefangene fielen in unsere Hand.

Östlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich Gumbinnen griffen die Russen die Stellungen unserer Kavallerie erfolglos an. Auf der übrigen Front in Ostpreußen fanden heftige Artilleriekämpfe statt.

Kleinere Gefechte nordöstlich Wloclawek waren für uns erfolgreich. In Polen westlich der Weichsel und östlich der Pilica ereignete sich nichts von Bedeutung.

Oberste Heeresleitung.


Bildquelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/1989

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.de

 


 

WTB. Großes Hauptquartier, 27. Januar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Nieuport und Ypern fanden nur Artilleriekämpfe statt. Bei Cuinchy,südwestlich La Baffee, versuchte der Feind gestern Abend, die ihm am 25. Januar entrissene Stellung zurückzuerobern. Das Bemühen war vergeblich, der Angriff brach in unserem Feuer zusammen.

Die schon gestern gemeldeten Kämpfe auf den Höhen von Cravonne hatten vollen Erfolg. Die Franzosen wurden aus ihrer Höhenstellung westlich La-Creyth-Ime und östlich Hartebise geworfen und auf den Südrand des Höhengeländes gedrängt. Mehrere Stützpunkte in einer Breite von 1400 Meter wurden von den Sachsen im Sturm genommen. 865 unverwundete Franzosen gefangen, 8 Maschinengewehre erobert, ein Pionierdepot und viel sonstiges Material erbeutet.

Südöstlich St. Mihiel nahmen unsere Truppen einen französischen Stützpunkt, Gegenangriffe der Franzosen blieben erfolglos. In den Vogesen liegt hoher Schnee, der unsere Bewegungen verlangsamt.

Östlicher Kriegsschauplatz. Der russische Angriff nordöstlich Gumbinnen machte keine Fortschritte. Die Verluste des Feindes waren stellenweise schwer.

In Polen keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.

Bildquelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/332

http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5/deed.de

 


 

WTB. Großes Hauptquartier, 30. Jan. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die französischen Verluste in den Kämpfen nördlich Nieuport am 28. Januar waren groß: Über 300 Marokkaner und Algerier liegen tot in den Dünen. Der Feind wurde durch unser Artilleriefeuer auch gestern daran gehindert, sich an die Dünenhöhe östlich des Leuchtturmes mit Sappen heranzuarbeiten.

Südlich des Kanals von La Baffee griffen heute Nacht unsere Truppen die Franzosen im Anschluss an die von uns am 25. Januar eroberte Stellung an, eroberten zwei weitere Gräben und machten über 60 Gefangene.

Im westlichen Teile der Argonnen unternahmen unsere Truppen gestern einen Angriff, der uns einen nicht unbedeutenden Geländegewinn einbrachte. An Gefangenen blieben in unseren Händen 12 Offiziere 731 Mann, erbeutet wurden 12 Maschinengewehre und 10 Geschütze kleineren Kalibers. Die Verluste des Feindes sind schwer,

4—500 Tote liegen auf dem Kampffelde. Dass französische Infanterie = Regiment 155 scheint aufgerieben zu sein. Unsere Verluste sind verhältnismäßig gering.

Französische Nachtangriffsversuche südöstlich Verdun wurden unter schweren Verlusten für den Feind zurückgeschlagen.

Nordöstlich Badonviller wurden die Franzosen aus dem Dorfe Angomont und Bremeuil geworfen. Angomont wurde von uns besetzt.

Östlicher Kriegsschauplatz. In Ostpreußen griffen die Russen erfolglos den Brückenkopf Darcehmen an, beschossen die Befestigungswerke östlich der Seenplatte und versuchten südöstlich am Löwentin=See einen Angriff, der in unserem Feuer zusammenbrach. Russischer Nachtangriff in Gegend Borzymow östlich Lowicz wurde unter schwersten Verlusten für den Feind zurück-geworfen.

Oberste Heeresleitung.


 

*Redaktion:H. Pfingsten, Celle. Druck und Verlag von Schweiger & Pick, Celle.