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Die Schlacht bei Gumbinnen fand am 19. und 20. August 1914 im Ersten Weltkrieg statt. Es handelte sich um den ersten Angriff der russischen Truppen auf Deutschland. Folge war die Besetzung großer Teile Ostpreußens, die erst mit der Schlacht bei Tannenberg (26.–30. August 1914) und der Schlacht an den Masurischen Seen (6.–14. September 1914) beendet wurde.

Verlauf

Mitte August begann der Angriff der russischen Truppen auf den deutschen Osten. Zu diesem Zeitpunkt war der Osten Deutschlands nur durch die 8. Armee unter Generaloberst Maximilian von Prittwitz und Gaffron (1848–1917) geschützt. Auf Drängen der Entente-Staaten marschierten die 1. russische Armee, die Njemen-Armee unter Paul von Rennenkampf, und die 2. russische Armee, die Narew-Armee unter Samsonow, vor Abschluss der vollständigen Mobilmachung zur Umfassung der deutschen 8. Armee in Ostpreußen ein.

Die 1. russische Armee drang als erste der beiden bereits am 17. August 1914 auf einer Breite von 40 km zwischen Wischtynjez und Schirwindt (nördlich der Rominter Heide) in Ostpreußen ein. Hier kam es am selben Tag bereits zum Gefecht bei Stallupönen mit dem I. Armeekorps unter General Hermann von François. Maximilian von Prittwitz formierte seine Armee nördlich der Masurischen Seen entlang der Angerapp. Hier wollte er die russischen Verbände anlaufen lassen, und sie dann von beiden Seiten umfassen. Zur Sicherung der Südgrenze Ostpreußens konnte er nur ein Armeekorps (XX., General Friedrich von Scholtz) dort stehen lassen.

Am 19. August griffen die Russen an mehreren Stellen an, konnten jedoch überall abgewehrt werden. Am nächsten Morgen erfolgte der deutsche Gegenangriff. Auf dem Nordflügel (I. Armeekorps) war der Angriff erfolgreich. Der rechte Flügel der russischen 1. Armee (XX. Korps und Teile des III.) wurde zurückgedrängt.
Beim Mittelabschnitt (XVII. Armeekorps unter General August von Mackensen) konnte kein Boden gutgemacht werden. Die Deutschen wurden nach anfänglichem Erfolg unter schweren Verlusten (das XVII. Korps verlor allein an Infanterie 8.000 Mann, weitere 1.000 Mann gerieten in Gefangenschaft)3 in ihre Stellungen zurückgeworfen.
Der Südabschnitt, im Bereich des I. Reservekorps (General Otto von Below) und der 3. Reservedivision, kam es außer einzelnen Gefechten mit Truppen des russischen IV. Korps noch nicht zu größeren Kämpfen. Man formierte sich auf beiden Seiten für den nächsten Tag.

Rückzug

Als Meldungen eintrafen, dass die russische 2. Armee (Samsonow) die Südgrenze westlich der Masurischen Seen überschritten hatte, ließ Prittwitz die Schlacht abbrechen und befahl den Rückzug hinter die Weichsel.
Er sah sich in einer prekären Lage, da von der Obersten Heeresleitung – unter Generaloberst Moltke – die Anweisung bestand, den Verlust seiner Armee nicht zu riskieren, notfalls Ostpreußen aufzugeben und hinter die Weichsel zurückzugehen. Deshalb entzog er sich der Gefahr der Umklammerung bzw. eines Angriffs in seinen Rücken durch Samsonow.
Im Armeestab, allen voran Generalmajor Grünert (Generalquartiermeister) und Oberstleutnant Hoffmann (1. Generalstabsoffizier) war man jedoch der Ansicht, dass am nächsten Tag durchaus Aussicht auf Erfolg bestand. Prittwitz würde bei einem Rückzug zum jetzigen Zeitpunkt die Chance, die 1. russische Armee zu schlagen und dann die heranrückende 2. Armee anzugreifen, verpassen. Diese wäre aus der Marschbewegung heraus nicht sofort kampfbereit. Generaloberst von Prittwitz und sein Chef des Stabes, Generalmajor Graf von Waldersee, blieben jedoch bei ihrem Entschluss.

Ablösung

Die Oberste Heeresleitung in Koblenz war ebenfalls der Ansicht, dass dieser Rückzug übereilt befohlen wurde. Selbst die Weichsellinie zu halten bezweifelte Prittwitz bei einem Telefonat mit Moltke. Dieser bekam nach und nach den Eindruck, Prittwitz wäre der Situation nicht mehr gewachsen, und empfahl dem Kaiser, die Armeeführung ablösen zu lassen.

Der Kaiser folgte dieser Empfehlung. Am 22. August 1914 wurden Prittwitz und Waldersee von ihren Pflichten entbunden. Der neue Armeechef wurde General der Infanterie Paul von Hindenburg und zum Chef des Stabes wurde Generalmajor Erich Ludendorff bestimmt. Hindenburg befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Jahren im Ruhestand und wurde reaktiviert. Ludendorff war bei der 2. Armee an der Westfront als Generalquartiermeister, laut dem Mobilmachungsplan, eingesetzt.
Aus dieser Rückzugsbewegung heraus entwickelte sich dann mit der neuen Armeeführung die Schlacht bei Tannenberg.

Quellen

Reichsarchiv: Der Weltkrieg von 1914 bis 1918, 2. Band: Die Befreiung Ostpreußens. Mittler, Berlin, 1925

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