Extrablatt der Celleschen Zeitung und Anzeigen.

Februar 1915


 

Über 4000 Russen gefangen

WTB. Großes Hauptquartier, 3. Februar (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Französische Angriffe gegen Stellung bei Perthes wurden abgewiesen. Auf der übrigen Front fanden nur Artilleriekämpfe statt.

Östlicher Kriegsschauplatz. Von der ostpreußischen Grenze nichts Neues — In Polen nördlich der Weichsel haben die Kavalleriekämpfe mit dem Zurückweichen der Russen geendet. —Südlich der Weichsel führte unser Angriff östlich Bolimow zur Eroberung dieses Dorfes; um Wola - Szydlowiecka wird noch gekämpft.

Seit dem 1. Februar sind hier über 4000 Gefangene gemacht und 6 Maschinengewehre erbeutet worden. Russische Nachtangriffe gegen unsere Stellung an der Bzura wurden abgewiesen.

Oberste Heeresleitung.


 

Große Erfolge im Osten, 26000 Russen gefangen.

WTB. Großes Hauptquartier, 12. Febr. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Küste erschienen nach längerer Pause wieder feindliche Schiffe. Über Ostende wurden von Fliegern des Gegners Bomben abgeworfen, die militärischen Schaden nicht anrichteten. — Auf den übrigen Fronten fanden Artilleriekämpfe statt. Besonders viel Munition setzte der Feind gegen unsere Stellungen in der Champagne ein. Einen nennenswerten Erfolg hat er hierdurch nirgends erzielt. — Bei Souain wurde auch ein Infanterie=Angriff versucht, der aber abgewiesen worden ist, und bei dem 120 Gefangene in unseren Händen blieben. Die gestern gemeldete Zahl der Gefangenen in den Argonnen erhöht sich um 1 Offizier und 119 Mann. — Nördlich Verdun wurden mehrere Schützengräben von uns genommen. Der dagegen französischerseits unter Vorantragung der Genfer Flagge unternommene Gegenstoß wurde unter erheblichen Verlusten für den Feind abgewiesen. Die Festung Verdun wurde von deutschen Fliegern mit etwa 100 Bomben belegt. — Am Sudelkopf und den Vogesen gelang es den Franzosen, einen kleinen Vorgraben vor unserer Stellung zu besetzen.

Östlicher Kriegsschauplatz. S. M. Der Kaiser ist auf dem Kampffelde an der ostpreußischen Grenze eingetroffen. Die dortigen Operationen haben die Russen zur schleunigen Aufgabe ihrer Stellung östlich der masurischen Seen gezwungen. An einzelnen Stellen dauern die Kämpfe noch fort. Bisher sind 26 000 Gefangene gemacht mehr als 20 Geschütze und 30 Maschinengewehre erbeutet worden. Die Menge des erbeuteten Kriegsmaterials lässt sich aber noch nicht annähernd übersehen. — In Polen rechts der Weichsel haben die deutschen Truppen die gestern gemeldete Offensive fortgesetzt, die Stadt Sierpz genommen und wurden einige Gefangene gemacht. Auf dem polnischen Kriegsschauplatz links der Weichsel keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.


 

50000 Russen gefangen.

WTB. Großes Hauptquartier, 16. Febr., abends. (Amtl.) In neuntägiger Winterschlacht in Masuren ist die russische X. Armee, aus mindestens 11 Infanterie und mehreren Kavalleriedivisionen bestehend, nicht nur aus stark verschanzten Stellungen östlich der masurischen Seenplatte vertrieben, sondern auch über die Grenze geworfen und schließlich in nahezu völliger Einkreisung vernichtend geschlagen. Nur Reste können in die Wälder östlich Suwalki und Augustowo entkommen sein, wo ihnen die Verfolger auf den Fersen sind. Blutige Verluste des Feindes, die sehr starke Zahl Gefangener, noch nicht feststehend, beträgt aber sicher weit über 50 000, mehr als 50 Geschütze, 60 Maschinengewehre genommen, unübersehbares Kriegsmaterial erbeutet.

S. M. der Kaiser wohnte den entscheidenden Gefechten in Mitte unserer Schlachtlinie bei. Der Sieg ist durch Teile alter Osttruppen und junge für diese Aufgabe herangeführte Verbände errungen, die sich den altbewährten Kameraden ebenbürtig erwiesen haben. Die Leistungen der Truppen bei Überwindung widrigster Witterungs-= und Wegverhältnisse, Tag und Nacht fortgesetztem Marsches und Gefechte gegen einen zähen Gegner sind über jedes Lob erhaben.

Generalfeldmarschall von Hindenburg leitete die Operationen, die von Generaloberst von Eichhorn und General der Infanterie von Below in glänzender Weise mit alter Meisterschaft durchgeführt wurden.

Oberste Heeresleitung.


 

WTB. Großes Hauptquartier 16. Febr. (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz. Offenbar veranlaßt durch unsere großen Erfolge im Osten, unternahmen Franzosen und Engländer gestern und in der vergangenen Nacht an verschiedenen Stellen besonders hartnäckige Angriffe. Die Engländer verloren bei dem gescheiterten Versuche, ihre am 14. Februar verlorenen Stellungen wiederzugewinnen, erneut vier Offiziere und 170 Gefangene.

Nördlich Reims wurden feindliche Angriffe abgewiesen. Zwei Offiziere, 179 Franzosen blieben in unsern Händen. Besonders starke Vorstöße richteten sich gegen unsere Linien in der Champagne, die mehrfach zu erbitterten Nahkämpfen führten. Abgesehen von einzelnen kurzen Abschnitten, in die der Feind eingedrungen ist, und in denen der Kampf noch andauert, wurden die feindlichen Angriffe überall abgewiesen. Etwa 300 Franzosen wurden gefangen genommen. In den Argonnen setzten wir unsere Offensive fort, eroberten weitere Teile der feindlichen Hauptstellung, machten 350 Gefangene u. eroberten 2 Gebirgsgeschütze

und 7 Maschinengewehre. Auch im Priesterwalde, nördlich Toul, sind kleinere Erfolge zu verzeichnen. Dabei wurden zwei Maschinengewehre genommen. Von der Grenze der Reichslande nichts Neues.

Östlicher Kriegsschauplatz, Nördlich der Memel sind unsere Truppen dem überall geworfenen Gegner in Richtung Tauroggen über die Grenze gefolgt. In dem Waldgebiet östlich Augustowo finden an vielen Stellen noch weitere Verfolgungskämpfe statt.

Die von Lomza nach Kolno vor gegangene russische Kolonne ist geschlagen. 700 Gefangene und sechs Maschinengewehre fielen in unsere Hand, ebenso wurde eine feindliche Abteilung bei Grajewo auf Offowicz zurückgeworfen. In der gewonnenen Front Plock-Riacionz (in Polen nördlich der Weichsel) scheinen sich hartnäckige Kämpfe zu entwickeln. Aus Polen südlich der Weichsel nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

 


 

WTB. Großes Hauptquartier, 18. Febr. (Amtl.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die gestern gemeldeten feindlichen Angriffsversuche dauern mit gleicher Erfolglosigkeit an. An der Straße Arras=Lille sind die Kämpfe um ein kleines Stück unseres Grabens, in den der Feind vorgestern eingedrungen war, noch im Gange. Die Zahl der nordwestlich Reims gestern von uns gemachten Gefangenen hat sich noch erhöht. Die Franzosen haben hier auch besonders starke blutige Verluste erlitten. Sie verzichteten auf weitere Vorstöße. In der Champagne nördlich Perthes wird noch gekämpft. Östlich davon sind die Franzosen unter schweren Verlusten zurückgeschlagen, sie halten sich nur noch auf wenigen kurzen Stellen unserer vordersten Gräben. Die gestern gemeldete Zahl an Gefangenen ist auf elf Offiziere und 785 Mann gestiegen.

Zu einem vollen Misserfolg führten auch Angriffe gegen unsere Stellungen bei Boureuilles=Danquois (östlich des Argonner Waldes und östlich Verdun). Die am 13. Februar von uns genommene Höhe 365 und der Ort Norroy (nordöstlich Pont a Mousson) sind von uns nach gründlicher Zerstörung der französischen Befestigungsanlagen wieder geräumt. Einen Versuch, die Stellungen mit Waffengewalt wieder zu gewinnen, hat der Feind nicht gemacht. Sonst nichts Wesentliches.

Östlicher Kriegsschauplatz. Bei Tauroggen und im Gebiet nordöstlich von Grodno dauern die Verfolgungskämpfe noch an. Die bei Kolno geschlagene feindliche Kolonne ist nördlich Lomza von frischen Truppen aufgenommen, der Feind wird erneut angegriffen. Die Kämpfe bei Plock=Racionz sind zu unseren Gunsten entschieden, es sind bisher 3000 Gefangene gemacht. Aus Polen südlich der Weichsel nichts Neues. — Die Kriegsbeute der Kämpfe an der ostpreußischen Grenze hat sich erhöht, das bisherige Ergebnis beträgt: 64 000 Gefangene, 71 Geschütze, über 100 Maschinengewehre, 3 Lazarettzüge, Flugzeuge, 150 gefüllte Munitionswagen, Scheinwerfer und unzählige beladene und bespannte Fahrzeuge. Mit einer weiteren Erhöhung dieser Zahl darf gerechnet werden.

Oberste Heeresleitung.

Berlin, 18. Februar. (Nichtamtlich.) Wie wir erfahren, ist das Luftschiff L. 3 auf einer Erkundungsfahrt bei Südsturm infolge Motorhavarie auf der Insel Fanö an der Südküste Jütlands niedergegangen. Das Luftschiff ist verloren. Die ganze Besatzung gerettet.

Bildquelle: http://www.europeana1914-1918.eu/de/contributions/597

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WTB. Berlin, 22. Februar. (Amtlich.) Die Verfolgung nach der Winterschlacht in Masuren ist beendet. Bei der Säuberung der Wälder nordwestlich von Grodno und bei den in den Ietzten Tagen gemeldeten Gefechten im Bobr- und Narewgebiet wurden bisher ein Kommandierender General, zwei Divisionskommandeure, vier andere Generale und annähernd 40 000 Mann gefangen, über 70 Geschütze, eine noch nicht festgestellte Anzahl von Maschinengewehre nebst vielem sonstigen Kriegsgerät erbeutet. Die Gesamtbeute aus der Winterschlacht in Masuren steigt damit bis heute auf sieben Generale, über 100 000 Mann, über 150 Geschütze und noch nicht annähernd übersehbares Gerät aller Art einschließlich Maschinengewehre. Schwere Geschütze und Munition wurden vom Feinde mehrfach vergraben oder in den Seen versenkt. So sind gestern bei Lötzen in dem Witminner See 8 schwere Geschütze von uns ausgegraben ober aus dem Wasser gehoben worden.

Die zehnte russische Armee des Generals Baron Sievers kann hiermit als völlig vernichtet angesehen werden.

 

WTB. Großes Hauptquartier, 22. Febr. (Amtl.) Östlich Ypern wurde gestern wieder ein feindlicher Schützengraben genommen, feindliche Gegenangriffe auf die gewonnenen Stellungen blieben erfolglos. In der Champagne herrschte auch gestern verhältnismäßige Ruhe. Die Zahl der von uns in den letzten dortigen Kämpfen gefangenen Franzosen hat sich auf 15 Offiziere und über 1000 Mann erhöht - Die blutigen Verluste des Feindes haben sich als außergewöhnlich hoch herausgestellt. In den Vogesen wurden die Orte Hohrod und Stoßweier nach Kampf genommen.

Östlicher Kriegsschauplatz. Neue Gefechte beginnen sich bei Grodno und nördlich Suchawola zu entwickeln. Die gemeldeten Kämpfe nordöstlich Offowice und Lomza sowie bei Prasznysz nehmen ihren Fortgang. In Polen südlich der Weichsel nichts Neues.

Oberste Heeresleitung.

 


 

Wieder ein englisches Trupentransportschiff versenkt.

WTB. Berlin, 23. Februar (Nichtamtlich.) Gestern nachmittag 4:45 Uhr wurde der englische Truppentransportdampfer 192 bei Beachy - Head durch ein deutsches Unterseeboot zum sinken gebracht.

 

 


 

 

1700 Gefangene.

WTB. Großes Hauptquartier, 24. Februar (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In der Gegend von Perthes (in den Argonnen) griffen die Franzosen gestern nachmittag mit zwei Infanterie-Divisionen an. Es kam an mehreren Stellen zu erbitterten Nahkämpfen, die sämtlich zu unseren Gunsten entschieden worden sind. — In den Vogesen machten unsere Angriffe gegen Sulzern und Ampfersbach, (westlich Stotzweiler) Fortschritte. — In den Gefechten der letzten Tage machten wir 500 Gefangene. — Sonst nichts Wesentliches.

ÖstlicherKriegsschauplatz. Ein erneuter feindlicher Vorstoß aus Grodno wurde mühelos abgewiesen. Südöstlich Augustow gelang es gestern den Russen an 2 Stellen über den Bobr vorzurücken. Bei Sztabin ist der Gegner wieder zurückgewichen. In der Gegend von Krasnybor ist der Kampf noch im Gange. Bei Paschu—Praszuysz fielen 1200 Gefangene und 2 Geschütze in unsere Hände. — Östlich Skierniewice wurde ein russischer Nachtangriff abgeschlagen.

 

Oberste Heeresleitung.

 


 

*Redaktion:H. Pfingsten, Celle. Druck und Verlag von Schweiger & Pick, Celle.