aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Das Fort Douaumont – eigentlich Fort de Douaumont – in Lothringen gehört zu den französischen Verteidigungsanlagen vor Verdun und war im Ersten Weltkrieg in der Schlacht von Verdun schwer umkämpft; es war Teil einer 40 km langen Verteidigungslinie aus dem 19. Jahrhundert und die stärkste Befestigungsanlage im Festungsring von Verdun. Seine herausragende Rolle bei der Abwehrschlacht von Verdun hatte einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Bau der Maginot-Linie, mit der man in Frankreich in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg einen Angreifer aus dem Osten aufzuhalten gedachte.

Heute besuchen etwa 200.000 Menschen jährlich Fort, Beinhaus und Soldatenfriedhof.

Das Fort

Das Fort wurde von 1885 bis 1913 in zwei Aus/Umbauschritten innerhalb des Gesamtkonzepts des Generals Séré de Rivières errichtet. Die Gesamtkosten beliefen sich dabei auf eine Summe von 6,1 Millionen Gold-Francs.

Erster Bauabschnitt:

1885 wurde das Fort mit Kalksandsteinmauerwerk erbaut. Es wurde errichtet als Fort der zweiten, vorgeschobenen Linie um Verdun. Schon zu dieser Zeit war es das größte Fort Verduns. Es wurden gemäß der damaligen Bauweise eine doppelstöckige, halbunterirdische Kaserne, Kasematten, Pulverlager und nicht direkt verbundene Grabenstreichen/Kehlbastionen gebaut.

Zweiter Bauabschnitt:

Wenige Jahre nach dem Bau wurde es der technischen Entwicklung wegen notwendig, umfangreiche Ausbauarbeiten und Wehrkraft steigernde Umbauten durchzuführen. Primär wurden alle Teile der Festung mit Beton verstärkt und der Graben ausgebaut. Des Weiteren wurden die Grabenstreichen in die äußere Frontgrabenmauer integriert, die Kehlbastion zur Kehlgrabenstreiche umgebaut und der Eingangsbereich angepasst. Ein 155-mm- (rechte Kehlseite) und ein 75-mm- (Mitte Frontwall) Geschütz-Dreh/Versenkturm Model Gallopin, jeweils mit Panzerbeobachtungsglocke, sowie zwei MG-Dreh/Versenktürme wurden an der linken Kehlseite und der rechten Frontseite eingebaut. Ferner errichtete wurden an der linken Kehlseite eine nach Westen weisende Casemate de Bourges errichtet. Auf der linken Frontseite wurden die Fundamente für einen weiteren Ausbau gelegt.

Stollenbauten

Während der deutsche Besetzung (25. Februar bis 24. Oktober 1916) wurde das Fort weitgehend als Schutzraum genutzt. Um die Sicherheit der Untergebrachten zu verbessern, sollte in einer Tiefe von 17 m ein 250 m langer Verbindungsstollen zum Steinbruch 2808 angelegt werden. Das als Südtunnel bezeichnete Grabungsprojekt war bis zum deutschen Abzug nur auf etwa 60 m fertiggestellt. Ein zweites, Nordtunnel genannt, kam über erste Grabungen kaum hinaus. Eindringendes Wasser war hier und besonders an der südlichen Anlage ein sehr großes Problem.
Die Franzosen stellten zunächst den angefangenen Südtunnel fertig und erweiterten ihn auf drei Ausgänge. Mit der Übergabe der Leitung an Capitain Harispe, der das Anlegen solcher Schutzstollen an den Verduner Befestigungen im Fort Moulainville überhaupt erst begründet hatte, begannen am Douaumont die Arbeiten zu einem ausgedehnten Stollensystem. Am alten Eingang entstand ein 30 m tiefer Schacht, aus dem mit drei Aufzügen der Abraum nach oben gebracht wurde. Drei Gänge zu den Grabenstreichen und dem fertigen Südtunnel entstanden. Ein zweites, in 20 m Tiefe verlaufendes Stollensystem verband die Artillerietürme, den nördlichen MG-Turm und die Pulvermagazine. Die Arbeiten dauerten bis 1918. Letztlich hatte man Gänge mit einer Gesamtlänge von 800 m und Schächte von 60 m ausgehoben[1].

Zwischen 1914 und 1918

Im Verlauf des Ersten Weltkriegs verlor das Fort zunächst stark an Bedeutung. Nach der Herabstufung der Festung Verdun zu einer „befestigten Region“ am 5. August 1915 wurden die meisten Geschütze und Maschinengewehre des Forts unter Feldeinheiten verteilt. Am 8. Februar 1916 sollte das Fort de Douaumont teilweise gesprengt werden, doch ließen Informationen über einen bevorstehenden deutschen Angriff auf Verdun die französischen Pioniere davon absehen. Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Garnison des Forts weniger als 60 Soldaten.

Am 25. Februar 1916, vier Tage nach dem Beginn der Schlacht um Verdun, wurde das Fort im Handstreich von deutschen Truppen eingenommen. Es erwies sich in den darauf folgenden Kämpfen als außerordentlich widerstandsfähig gegenüber allen Angriffen, was sich in erster Linie auf die sorgfältige Verarbeitung des Betons als neuem Baustoff für Festungsanlagen zurückführen lässt. Im Laufe der Kämpfe wurde jedoch eine Reihe der Kasematten des Obergeschosses durch Volltreffer des Kalibers 40 cm zerstört, teilweise von französischen, teilweise von deutschen Geschützen. Für die Franzosen besaß das Fort einen hohen ideellen Wert, weshalb sie zahlreiche Versuche unternahmen, es zurückzuerobern. Die Verluste an Menschenleben waren dabei enorm.

Im frühen Morgengrauen des 8. Mai 1916 kamen bei der Explosion eines Granaten- und Flammenwerferdepots möglicherweise bis zu 900 deutsche Soldaten ums Leben. Aus Zeitgründen wurden 679 von ihnen innerhalb des Forts an Ort und Stelle in die im Innenhof des Forts gelegene Munitionskasematte I gebracht und deren Eingang zugemauert. Das Kreuz steht heute vor dem zugemauerten Ausgang zum zwischenzeitlich verschütteten Innenhof. Die Kasematte befindet sich etwa 20 Meter dahinter. Dieser Ort ist der so genannte „Deutsche Friedhof“ im Fort, das heute unter staatlicher Verwaltung der französischen Regierung steht.

Am 22. Mai begann ein französischer Großangriff auf das Fort de Douaumont, bei dem die deutsche Garnison in die untersten Kasematten zurückgedrängt wurde. Von den Franzosen unbemerkt erhielten die Deutschen Verstärkungen und gingen bereits am 23. Mai mit der Unterstützung von schweren Minenwerfern zum Gegenangriff über. Bis zum Morgen des 24. Mai war das Fort wieder in deutscher Hand. Erst am 24. Oktober gelang den französischen Truppen in einem äußerst blutigen Sturmangriff auf breiter Front die Einnahme des Forts de Douaumont. Schätzungen zufolge explodierten im Ersten Weltkrieg über 400.000 Granaten auf dem Fort.

Das beschädigte Fort liegt in der Nähe des Beinhauses von Douaumont.