Dezember 1914

 


 
Nr. 119 vom 1. Dezember 1914

Weitere Kriegsbeute im Osten

WTB. Großes Hauptquartier, 1. Dezember 1914 vormittags. (Amtlich.) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz nichts Neues.

Auch in Ostpreußen und Südpolen herrscht im allgemeinen Ruhe. In Südpolen südlich der Weichsel steigerte sich die Kriegsbeute in Ausnutzung der gestern gemeldeten Erfolge. Die Zahl der Gefangenen vermehrte sich um etwa 9500, die der gewonnenen Geschütze um 18. Außerdem fielen 26 Maschinengewehre und zahlreiche Munitionswagen in unsere Hände.

Oberste Heeresleitung


Nr. 120 vom 2. Dezember 1914

Eine glänzende Waffentat. - Der Kaiser in Ostpreußen.

WTB. Großes Hauptquartier, 2. Dezember 1914 (Amtlich.) Anknüpfend an den russischen Generalstabsbericht vom 29. November wird über eine Episode in dem für die deutschen Waffen so erfolgreichen Kampf bei Lodz festgestellt: Die Teile der deutschen Kräfte, welche in der Gegend östlich Lodz gegen rechte Flanke und Rücken der Russen im Kampfe waren, wurden ihrerseits wieder durch starke, von Osten und Süden vorgehende russische Kräfte im Rücken ernstlich bedroht. Die deutschen Truppen machten angesichts des vor ihrer Front stehenden Feindes kehrt und schlugen sich in dreitägigen erbitterten Kämpfen durch den von den Russen bereits gebildeten Ring. Hierbei brachten sie noch 12.000 Gefangene Russen und 25 eroberte Geschütze mit, ohne selbst auch nur ein Geschütz einzubüßen. Auch fast alle eigenen Verwundeten wurden mit zurückgeführt. Die Verluste waren nach Lage der Sache natürlich nicht leicht, aber durchaus keine „ungeheuren". Gewiss eine der schönsten Waffentaten des Feldzuges.

Oberste Heeresleitung.

Seine Majestät der Kaiser besuchte gestern bei Gumbinnen und Darkehmen unsere Truppen in Ostpreußen und deren Stellungen.

Oberste Heeresleitung.




Nr. 121 vom 2. Dezember 1914

Belgrad genommen.

WTB. Wien, 2. Dezember 1914 (Nichtamtlich) Der Kaiser erhielt vom General Frank, Kommandant der fünften Armee, eine Huldigungsdepesche, in der es heißt: Ich bitte Eure Majestät am Tage der Vollendung des 66. Regierungsjahres die Meldung zu Füßen legen zu dürfen, dass die Stadt Belgrad heute von Truppen der fünften Armee in Besitz genommen wurde.


Nr. 122 vom 4. Dezember 1914

Die Kämpfe am 3. Dezember.

WTB. Großes Hauptquartier, 4. Dezember 1914vormittags (Amtlich) Auf dem westlichen Kriegsschauplatz wurden französische Angriffe gegen unsere Truppen in Flandern wiederholt abgewiesen, ebenso in Gegend nordwestlich Altkirch, wo die Franzosen bedeutende Verluste hatten.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz sind feindliche Angriffe östlich der masurischen Seenkette unter großen Verlusten für die Russen abgeschlagen worden. Unsere Offensive in Polen nimmt normalen Verlauf.

Oberste Heeresleitung.

Der Kaiser in Berlin.

WTB. Großes Hauptquartier, 4. Dezember 1914vormittags (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser ist gestern Abend zu kurzem Aufenthalte in Berlin eingetroffen.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 123 vom 6. Dezember 1914

WTB. Großes Hauptquartier, den 6. Dezember 1914 vormittags (Amtlich) Heute Nacht wurde der Ort Vermelles, südöstlich Bethune, dessen weiteres Festhalten im dauernden feindlichen Artilleriefeuer unnötige Opfer erfordert hätte, planmäßig von uns geräumt, die noch vorhandenen Baulichkeiten waren vorher in die Luft gesprengt. Unsere Truppen besetzten ausgebaute Stellungen östlich des Ortes. Der Feind konnte bisher nicht folgen. Westlich und südlich Altkirch erneuerten die Franzosen ihre Angriffe mit erheblichen Kräften ohne Erfolg, sie erlitten starke Verluste. Im übrigen Westen keine nennenswerten Ereignisse.

Auf dem Kriegsschauplatz östlich der masurischen Seenplatte verhielt sich der Gegner ruhig. Der Verlauf der Kämpfe um Lodz entspricht nach wie vor unseren Erwartungen. In Südpolen keine Veränderung.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 124 vom 7. Dezember 1914

Lodz genommen.

WTB. Großes Hauptquartier, 6. Dezember 1914 (Amtlich.) Lodz wurde heute Nachmittag von unseren Truppen genommen. Die Russen befinden sich nach schweren Verlusten dort im Rückzuge.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 125 vom 7. Dezember 1914

Der Sieg bei Lodz.

WTB. Großes Hauptquartier, den 7. Dezember 1914 vormittags. (Amtlich.) Vom westlichen Kriegsschauplatz und dem östlich der masurischen Seenplatte liegen keine besonderen Nachrichten vor.

In Nordpolen haben wir in langem Ringen um Lodz durch das Zurückwerfen der nördlich, westlich und südwestlich dieser Stadt stehenden starken russischen Kräfte einen durchgreifenden Erfolg errungen: Lodz ist in unserem Besitz. Die Ergebnisse der Schlacht lassen sich bei der Ausdehnung des Kampffeldes noch nicht übersehen. Die russischen Verluste sind zweifellos sehr groß. Versuche der Russen, aus Südpolen ihren bedrängten Armeen im Norden zur Hilfe zu kommen, wurden durch das Eingreifen österreichisch-ungarischer und deutscher Kräfte in Gegend südwestlich Pietrkow vereitelt.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 126 vom 8. Dezember 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 8. Dezember 1914vormittags (Amtlich.) An der flandrischen Front bereiten die durch die letzten Regengüsse verschlechterten Bodenverhältnisse den Truppenbewegungen große Schwierigkeiten. Nördlich Arras haben wir einige kleine Fortschritte gemacht.

Das Kriegslazarett in Lille ist gestern abgebrannt, wahrscheinlich liegt Brandstiftung vor. Menschenleben sind nicht zu beklagen.

Die Behauptung der Franzosen über ihr Vorwärtskommen im Argonnenwald entspricht nicht den Tatsachen, seit längerer Zeit ist dort überhaupt kein französischer Angriff mehr erfolgt. Dagegen gewinnen wir fortgesetzt langsam Boden. Bei Malancourt östlich Varennes wurde vorgestern ein französischer Stützpunkt gewonnen. Dabei ist der größte Teil der Besatzung gefallen, der Rest, ein Offizier und 150 Mann, wurden gefangen genommen. Ein französischer Angriff gegen unsere Stellungen nördlich Nancy wurde gestern abgewiesen.

Im Osten liegen von der ostpreußischen Grenze keine besonderen Nachrichten vor. In Nordpolen folgen die deutschen Truppen dem östlich und südöstlich Lodz schnell zurückweichenden Feinde unmittelbar. Außer den gestern schon gemeldeten ungewöhnlich großen blutigen Verlusten, haben die Russen bisher etwa 5.000 Gefangene und 16 Geschütze mit Munitionswagen verloren.

In Südpolen hat sich nichts besonderes ereignet.

Oberste Heeresleitung.

Berlin, 7. Dezember 1914 (Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat seine für heute geplante Abreise zur Front in Folge einer Erkrankung an fieberhaftem Bronchialkatarrh um einige Tage verschieben müssen. Er konnte aber gestern und heute den Vortrag des Chefs des Generalstabes des Heeres über die Kriegslage entgegennehmen.


Nr. 127 vom 10. Dezember 1914

Die Kämpfe am 9. Dezember.

WTB. Großes Hauptquartier. (Amtlich.) In der Gegend von Souain beschränkten sich die Franzosen gestern auf heftiges Artilleriefeuer. Ein am östlichen Argonnenrand auf Vauquois Boureuilles erneuerter Angriff der Franzosen kam nicht vorwärts, erstarb im Feuer unserer Artillerie. Der Gegner erlitt offenbar große Verluste. Drei feindliche Flieger warfen gestern auf die offene nicht im Operationsgebiete liegende Stadt Freiburg in Baden zehn Bomben ab. Schaden wurde nicht angerichtet. Die Angelegenheit wird hier nur erwähnt, um die Tatsache festzustellen, dass wieder einmal, wie schon so häufig bei Beginn des Krieges, eine offene, nicht im Operationsgebiet liegende Stadt von unseren Gegnern mit Bomben beworfen ist. Östlich der Masurischen Seen nur Artilleriekampf. In Nordpolen rechts der Weichsel nahm eine unserer dort vorgehenden Kolonnen Przasnyasz im Sturm. Es wurden 600 Gefangene und einige Maschinengewehre erbeutet.

Links der Weichsel wird der Angriff fortgesetzt. In Südpolen wurden wieder russische Angriffe abgewiesen.

Oberste Heeresleitung.

Über 10.000 Russen gefangen.

WTB. Wien. Amtlich wird gemeldet 10. Dezember, mittags. In Polen verlief der gestrige Tage an unserer Front ruhig. Ein vereinzelter Nachtangriff der Russen im Raum südwestlich Noworadomsk wurde abgewiesen. In West-Galizien brachten beide Gegner starke Kräfte in den Kampf. Bisher wurden über 10.000 Russen gefangen genommen. Die Schlacht dauert auch heute fort. Unsere Operationen in den Karpaten führten bereits zur Wiedergewinnung erheblicher Teile des eigenen Gebietes.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.

von Höfer, Generalmajor.


Nr. 128 vom 11. Dezember 1914

Die Kreuzer "Scharnhorst", „Gneisenau" und

"Leipzig" gesunken.

WTB. Berlin, 10. Dezember 1914 (Amtlich.) Laut amtlicher Reutermeldung aus London ist unser Kreuzergeschwader am 8. Dezember, 7:30 Uhr morgens, in der Nähe der Falklands - Inseln an der Südspitze Südamerikas von einem englischen Geschwader unter dem Kommando des Vizeadmirals Sturden gesichtet und angegriffen worden. Nach der gleichen Meldung sind in dem Gefecht S. M. Schiffe "Scharnhorst", „Gneisenau" und "Leipzig" gesunken. Zwei Kohlendampfer sind in Feindeshand gefallen. S. M. Schiffen, "Dresden" und „Nürnberg" gelang es zu entkommen. Sie werden angeblich verfolgt. Unsere Verluste scheinen schwer zu sein Eine Anzahl Überlebender der gesunkenen Schiffe wurden gerettet. Über die Stärke des Gegners, dessen Verluste gering sein sollen, enthalten die englischen Meldungen nichts.

Der Chef des Admiralstabes der Marine.

gez. Pohl


Nr. 129 vom 11. Dezember 1914

WTB. Berlin, 11. Dezember 1914 (Amtlich.) Nach weiterer amtlicher Reutermeldung aus London ist es den verfolgenden englischen Kreuzern gelungen, auch S. M. Schiff "Nürnberg" zum sinken zu bringen.

Der Stellvertretende Chef des Admiralstabes.

Behncke.

WTB. Großes Hauptquartier, 11. Dezember 1914vormittags (Amtlich.) In Flandern machten wir Fortschritte. Westlich und östlich der Argonnen wurden feindliche Artilleriestellungen mit gutem Erfolge bekämpft. Französische Angriffe in Bois de Pretre westlich Pont-a-Mousson wurden abgewiesen.

Östlich der masurischen Seenlinie keine Veränderungen. In Nordpolen schreiten unsere Angriffe vorwärts. Aus Südpolen nichts neues.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 130 vom 12. Dezember 1914

Die Kämpfe am 11. Dezember.

WTB. Großes Hauptquartier, 12. Dezember 1914vormittags (Amtlich.) In Flandern griffen die Franzosen in Richtung östlich Langemarck an, sie wurden zurückgeschlagen und verloren etwa 200 Tote und 340 Gefangene. Unsere Artillerie beschoss den Bahnhof Ypern zur Störung feindlicher Truppenbewegungen.

Bei Arras wurden Fortschritte gemacht. In Gegend Souain Perthes griffen die Franzosen erneut ohne jeden Erfolg an. Im Argonnenwald versuchten die Franzosen nach wochenlangem rein passiven Verhalten einige Vorstöße, sie wurden überall leicht abgewiesen. Dagegen nahmen die deutschen Truppen wiederum einen wichtigen französischen Stützpunkt durch Minensprengung. Der Gegner erlitt starke Verluste an Gefallenen und Verschütteten. Außerdem machten wir 200 Gefangene. Bei Apremont, südöstlich St. Mihiel wurden mehrfach heftige Angriffe der Franzosen abgewiesen, ebenso auf dem Vogesenkamm in Gegend westlich Markirch.

An der ostpreußischen Grenze warf unsere Kavallerie russische Kavallerie zurück und machte 350 Gefangene. Südlich der Weichsel in Nordpolen entwickeln sich unsere Operationen weiter. In Südpolen wurden russische Angriffe von den österreich-ungarischen und unseren Truppen abgeschlagen.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 132 vom 14. Dezember 1914

9.000 Russen gefangen.

WTB. Wien. 14. Dezember 1914 mittags. Die Verfolgung der Russen aus Westgalizien wurde fortgesetzt und gewann abermals unter kleineren und größeren Gefechten allenthalben Raum. Nun ist auch Tukla wieder in unserem Besitze. Unsere über die Karpaten vorgerückten Kolonnen machten gestern und vorgestern 9.000 Gefangene und erbeuteten 10 Maschinengewehre.

Die Lage an unserer Front von Rajbrot bis östlich Krakau und in Südpolen ist unverändert.

Nördlich Lowicz drangen unsere Verbündeten in Angriffen weiter gegen die untere Bsura vor.

Der stellvertretende Chef des Generalstabes.

von Höfer, Generalmajor.


Nr. 133 vom 15. Dezember 1914

31.000 Russen gefangen.

WTB. Wien, 15. Dezember 1914. Amtlich wird gemeldet: Die Offensive unserer Armee in Westgalizien hat den Feind zum Rückzuge gezwungen und auch die russische Front in Südpolen ins wanken gebracht.

Unsere, den Feind in Westgalizien von Süden her unermüdlich verfolgenden, Truppen gelangten gestern bis in die Linie Jaslo-Rajbrot; bei der Verfolgung und in der letzten Schlacht wurden nach den bisherigen Meldungen 31.000 Russen gefangen. Heute liegen Nachrichten über rückgängige Bewegungen des Gegners von der gesamten Front Niepolnice-Nowo-Rodomsk-Petrokow vor.

In dem karpatischen Waldgebirge wurden gegen das Vordringen feindlicher Kräfte im Latorcza-Tal entsprechende Maßnahmen getroffen.

Der stellvertretende Chef des Generalstabes.

von Höfer, Generalmajor.


Nr. 135 vom 17. Dezember 1914

Der Widerstand der russischen Hauptmacht gebrochen.

WTB. Wien, 17. Dezember 1914. Amtliches Kommuniqué. Die letzten Nachrichten lassen nicht mehr Zweifel, dass der Widerstand der russischen Hauptmacht gebrochen ist. Am Südflügel in der mehrtägigen Schlacht von Limanowa, im Norden unserer Verbündeten bei Lodz und nunmehr auch an der Bsura vollständig geschlagen, durch unsere Vorrücken über die Karpaten von Süden her bedroht, hat der Feind den allgemeinen Rückzug angetreten, den er im Karpaten Vorland hartnäckig kämpfend zu decken sucht. Hier greifen unsere Truppen auf der Linie Krosno-Zakliczyn an. An den übrigen Fronten ist die Verfolgung im Gange.

Der stellvertretende Chef des Generalstabes.

von Höfer, Generalmajor.

 


Nr. 136 vom 18. Dezember 1914

WTB. Berlin, 17 Dezember 1914 (Amtlich.) Über den Vorstoß nach der Ostküste Englands werden nachstehende Einzelheiten bekanntgegeben. Bei Annäherung an die englische Küste wurden unsere Kreuzer bei umsichtigen Wetter durch vier englische Torpedobootzerstörer erfolglos angegriffen. Ein Zerstörer wurde vernichtet, ein anderer kam in schwer beschädigtem Zustande außer Sicht. Die Batterien von Hartlepool wurden zum Schweigen gebracht, die Gasbehälter vernichtet. Mehrere Detonationen und drei große Brände in der Stadt konnten von Bord aus festgestellt werben. Die Küstenwachstation und das Wasserwerk von Scarborough, die Küstennwacht- und Signal-Station von Whitby wurden zerstört. Unsere Schiffe erhielten von den Küstenbatterien einige Treffer, die nur geringen Schaden verursachten. An anderer Stelle wurde noch ein weiterer englischer Torpedobootzerstörer zum Sinken gebracht.

Der Stellvertreter des Chef des Admiralstabes.

gez. Behncke.


Nr. 137 vom 18. Dezember 1914

Günstige Nachrichten von West und Ost.

WTB. Großes Hauptquartier, 18. Dezember 1914.vormittags (Amtlich.) Der Kampf bei Nieuport steht günstig, ist aber noch nicht beendet. Angriffe der Franzosen zwischen La Baffee und Arras sowie beiderseits der Somme scheiterten unter schweren Verlusten für den Gegner. Allein an der Somme verloren die Franzosen 1200 Gefangene und mindestens 1800 Tote. Unsere eigenen Verluste beziffern sich dort auf noch nicht 200 Mann. In den Argonnen trugen uns eigene, gut gelungene Angriffe etwa 750 Gefangene und einiges Kriegsgerät ein. Von den übrigen Teilen der Westfront sind keine besonderen Ergebnisse zu melden.

An der ost- und westpreußischen Grenze ist die Lage unverändert. In Polen folgen wir weiter dem weichenden Feinde.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 138 vom 21. Dezember 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 21. Dezember 1914 vormittags Verschiedene Angriffe bei Nieuport wurden auch gestern abgewiesen. Zwischen Richebourg-Avoue und dem Kanal d'Airea-La Baffee griffen unsere Truppen die Stellungen der Engländer und Inder an. Die feindlichen Schützengräben wurden gestürmt, der Feind aus seinen Stellungen unter schweren Verlusten geworfen. Wir erbeuteten ein Geschütz und fünf Maschinengewehre, zwei Minenwerfer und nahmen 270 Engländer und Inder, darunter zehn Offiziere, gefangen. Der bei Notre Dame-Lorette am 18. Dezember an den Gegner verlorene Schützengraben ist zurückerobert. In der Gegend Souain-Massiges nördlich Chalons griffen die Franzosen gestern heftig an und drangen an einer Stelle bis in unseren Vorgraben vor. Ihre Angriffe brachen jedoch sämtlich in unserem Feuer zusammen. Vier Offiziere, 310 Mann ließen die Franzosen in unseren Händen Eine große Zahl gefallener Franzosen liegt vor unseren Stellungen.

In den Argonnen nahmen wir eine wichtige Waldhöhe bei Le Four de Marie, erbeuteten drei Maschinengewehre, eine Revolverkanone und machten 275 Franzosen zu Gefangenen. Der mit großer Heftigkeit geführte Angriff der Franzosen nordwestlich Verdun scheiterte gänzlich.

Die große Regsamkeit der Franzosen an unserer ganzen Front ist erklärlich durch folgenden bei einem gefallenen Französischen Offizier gefundenen Heeresbefehl des Generals Joffre: „Armeebefehl vom 17. 12. 1914. Seit drei Monaten sind die heftigen und ungezählten Angriffe nicht im Stande gewesen, uns zu durchbrechen. Überall haben wir ihnen siegreich widerstanden. Der Augenblick ist gekommen, um die Schwäche auszunutzen, die sie uns bieten, nachdem wir uns verstärkt haben an Menschen und Material. Die Stunde des Angriffes hat geschlagen. Nachdem wir die deutschen Kräfte in Schach gehalten haben, handelt es sich darum, sie zu brechen und unser Land endgültig vom Eindringling zu befreien. Soldaten, mehr als jemals rechnet Frankreich auf Euren Mut, Eure Energie und Euren Willen, um jeden Preis zu siegen. Wir haben schon gesiegt an der Marne, an der Yser, in Lothringen und in den Vogesen. Ihr werdet zu siegen verstehen, bis schließlich zum Triumph.

Joffre.“

In Ost- und Westpreußen ist die Lage unverändert. In Polen fortschreitender Angriff gegen die Stellungen, in denen der Feind Front gemacht hat.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 139 vom 22. Dezember 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 22. Dezember 1914 vormittags. (Amtlich.) Bei Nieuport und in Gegend Ypern herrscht im Allgemeinen Ruhe. Zur Wiedererlangung der am 20. Dezember verlorenen Stellungen bei St. Hubert und Givenchy machten die durch französische Territorialtruppen verstärkten Engländer gestern und heute Nacht verzweifelte Vorstöße, die zurückgewiesen wurden. In Gegend Richebourg gelang es ihnen, in ihren eigenen Stellungen wieder Fuß zu fassen.

Die gestrigen Angriffe der Franzosen in Gegend Albert, nordöstlich Compiegne bei Souain und Perthes, wurden unter schweren Verlusten für sie abgeschlagen. Im westlichen Teile der Argonnen gewannen wir einige Schützengräben. Östlich der Argonnen, nordwestlich und nördlich Verdun wurden die französischen Angriffe zum Teil unter schwersten Verlusten für die Franzosen leicht zurückgewiesen.

Auf dem östlichen Kriegsschauplatz ist die Lage in Ost- und Westpreußen unverändert. In Polen stehen unsere Truppen in heftigen Kämpfen an dem Bsura-Rawka-Abschnitt. An vielen Stellen ist der Übergang über diesen Abschnitt schon erzwungen. Auf dem rechten Ufer der Pilica geht der Kampf der Verbündeten Truppen noch vorwärts.

Wir haben leider erst nach Veröffentlichung festgestellt, das der gestern bekannt gegebene Befehl des französischen Generals Joffre vom 17. Dezember 1914 folgenden Nachsatz hat: „Der Befehl ist heute Abend allen Truppen bekannt zu geben, um zu verhindern, das er in die Presse gelangt.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 140 vom 24. Dezember 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 24. Dezember 1914 vormittags. Der Feind wiederholte gestern in Gegend Nieuport seine Angriffe nicht. Bei Bixschoote machten unsere Truppen in dem Gefechte am 21. Dezember 230 Gefangene. Sehr lebhaft war die Tätigkeit des Feindes wieder in der Gegend des Lagers von Chalon. Dem heftigen feindlichen Artilleriefeuer auf dieser Front folgten in der Gegend Souain und Perthes Infanterie-Angriffe, die abgewiesen wurden. Ein vom Feinde unter dauerndem Artilleriefeuer gehaltener Graben wurde uns entrissen, am Abend aber wieder genommen. Die Stellung wurde nach diesem gelungenen Gegenstöße aufgegeben, da Teile des Schützengrabens vom Feuer des Feindes hart eingeebnet waren. Über1.000 Gefangene blieben in unserer Hand.

Unsere Truppen haben von Goldau-Neidenburg her erneut die Offensive ergriffen und nach mehrtägigen Kämpfen die Russen zurückgeworfen. Mlawa und die feindlichen Stellungen bei Mlawa sind wieder in unserer Hand. In diesen Kämpfen wurden über 1.000 Gefangene gemacht.

Im Bzura- und Rawka-Abschnitt kam es bei unsichtigem Wetter, bei dem die Artillerie wenig zur Geltung kommen konnte, an vielen Stellen zu heftigen Bajonettkämpfen. Die Verluste der Russen sind groß. Auf dem rechten Pilica-Ufer in Gegend südöstlich Tomascow griffen die Russen mehrere male an und wurden mit schweren Verlusten von den verbündeten Truppen zurückgeschlagen. Weiter südlich ist die Lage im Allgemeinen unverändert.

Oberste Heeresleitung.


Nr. 141 vom 31. Dezember 1914

WTB. Großes Hauptquartier, 31. Dezember 1914 (Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz. An der Küste war allgemeine Ruhe. Der Feind richtete sein Artilleriefeuer auf Westende-Bad, zerstörte einen Teil der Häuser, ohne militärischen Schaden anzurichten. In der von uns gesprengten Alger-Auberge-Ferme, südöstlich Reims, wurde eine ganze französische Kompanie vernichtet.

Starke französische Angriffe nördlich des Lagers von Chalons wurden überall abgewiesen. Im westlichen Teile der Argonnen gewannen unsere Truppen unter Fortnahme mehrerer hintereinander liegender Gräben und Gefangennahme von über 250 Franzosen erheblich Boden. In Gegend Flirey nördlich. Toul scheiterten französische Angriffsversuche. Im Oberelsass in Gegend westlich Sennheim brachen sämtliche Angriffe der Franzosen in unserem Feuer zusammen. Systematisch schossen wir Haus für Haus des von uns besetzten Dorfes Steinbach in Trümmer, unsere Verluste sind aber gering.

Östlicher Kriegsschauplatz. Lage in Ostpreußen und Polen nördlich der Weichsel unverändert. An und östlich der Bzura dauern die Kämpfe fort. In Gegend Rawa macht unsere Offensive Fortschritte. Auf dem Ostufer der Pilica ist die Lage unverändert.

Oberste Heeresleitung.

 

Berlin, 31. Dezember. 1914 (Nichtamtlich.) Aus dem großen Hauptquartier erfahren wir: Unsere in Polen kämpfenden Truppen haben bei der an die Kämpfe bei Lodz und Lowicz anschließenden Verfolgung über 56.000 Gefangene gemacht und viele Geschütze und Maschinengewehre erbeutet, die Gesamtbeute unserer am 11. November in Polen einsetzenden Offensive ist somit auf 136.600 Gefangene, über 100 Geschütze und 300 Maschinengewehre gestiegen.